[Rezension] „Unterleuten“ Juli Zeh

Unterleuten – ein besonderes Dorf

Unterleuten von Juli Zeh

„Unterleuten“ Juli Zeh, Bildquelle: randomhouse.de

Inhalt:

Unterleuten ist ein kleines, beschauliches Dorf in Brandenburg, weit genug weg von der Stadt, um günstigen – und ruhigen – Wohnraum und Land zu bieten, doch nah genug, um bei Bedarf die Annehmlichkeiten des Stadtlebens genießen zu können. Ideale Bedingungen also, um z.B. ein friedliches und ruhiges Leben mit Familie und Kindern zu führen oder so manchen Traum zu verwirklichen wie z.B. die einer Pferdefarm.

Wie gesagt : Eigentlich . Wäre da nicht „Das Tier“ und gäbe es nicht das Projekt „Windpark“.

Schaut man genauer hin – und das tut Juli Zeh – lernt man die einzelnen Einwohner näher kennen, sowohl der „Alteingesessenen“, als auch der „Zugezogenen“. Und schon bald ahnt man, dass es mit der erwartenden Idylle nicht weit her ist – es gibt weit mehr Probleme als ein paar Windräder und einen Nachbarn, der mit dem Verbrennen von Altreifen die Luft vergiftet. Die dörfliche Gemeinschaft muss sich beweisen, muss zeigen, ob sie alte – und neue – Feindschaften überwinden kann. Dies ist keine einfache Aufgabe, denn die Vergangenheit und „die Wende“ haben ihre Spuren hinterlassen, das müssen auch die neuen Mitbürger erfahren und aushalten…

Meine Meinung:

Juli Zeh beschreibt ein -fiktives- Dorf mit fiktiven Menschen – und zieht den Leser gleichzeitig mitten hinein ins teilweise abenteuerliche Dorfleben. Sie beschreibt die Einwohner, ihre jeweiligen Motive, in Unterleuten zu wohnen – und schon bald hat man als Leser ein Straßenbild vor Augen, wer wohnt hier, wer dort, wer ist der Nachbar von diesem oder jenem ? Auch die Beziehungen untereinander werden nach und nach deutlich, alte Fehden, alte Geheimnisse, neue Spannungen. Und als wäre das nicht genug, kommt dann noch die „Operation Windpark“ hinzu, die das Dorf spaltet – Unruhe stiftet, Neid und Misstrauen sät. Ich konnte mich recht gut in die eine oder andere Person und ihre Verhaltensweisen hineinversetzen, in andere wiederum gar nicht – genauso wie im persönlichen Leben. Die Kapitel sind angenehm kurz, spiegeln die Situationen aus der Sicht jeweils eines oder mehrerer Bewohner und geben somit einen prägnanten Einblick in die Hintergründe, sodass man nach und nach immer mehr zu verstehen scheint…

Die Autorin versteht es, sogar die Stimmung der Charaktere in die einzelnen Leseabschnitte zu übertragen, d.h. Eine lebhafte Linda sorgt dafür, dass man diese Passagen quasi genauso lebhaft sprich schnell liest, während eine ruhige Person auch eine Beruhigung des Leseflusses fördert.

Insgesamt empfand ich dieses Buch und den Schreibstil spannend und die recht kurzen Kapitel sorgten dafür, dass ich immer wieder dachte: „Nur noch eins, dann lege ich es beiseite“. Vielleicht liegt die Magie der Geschichte darin, dass die Bewohner und das Dorf Unterleuten so „real“ erscheinen, einige Personen natürlich auch etwas übertrieben oder gar „abgedreht“, aber so ist es doch auch im „echten Leben“, auch wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen. Umso mehr kann man also „mitreden“, mitfühlen und lesen, wie sich Personen und Windpark weiterentwickeln, Überraschungen und Cliffhänger eingeschlossen. Eine Mischung quasi aus Gesellschaftsroman und kleinem Krimi.

Meine Bewertung:     4 Buchbubis

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Meine Lieblingszitate:

„Bäume besaßen keine Vergangenheit. Auch Käfer und Ameisen, Vögel Hasen oder Rehe hielten sich nicht mit dem auf, was hinter ihnen lag, sondern folgten den Befehlen des jeweiligen Augenblicks. Nur der Mensch wollte das Leben partout als Straße und nicht als Zustand wissen, weshalb er sich selbst und andere mit Ereignissen quälte, die schon stattgefunden hatten oder noch kommen sollten. Wenn nichts und niemand außer dem Menschen so etwas wie Vergangenheit kannte, lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine menschliche Erfindung handelte.“ S. 483

***

„ Elena hatte gelernt, dass die wahre Geißel des Menschen Langeweile hieß. Langeweile verdarb den Charakter. Sie weckte die Sehnsucht nach Skandalen und Katastrophen. Friedliche Menschen verwandelten sich in Schandmäuler, die anderen Böses wünschten, nur damit sie etwas zu besprechen hatten. Im Kampf gegen die Langeweile entschied sich, ob man als Teufel oder als Engel durchs Leben ging. „ S. 509

***

„Weil die Stadt niemandem gehörte, gehörte niemand der Stadt. Wenn das Verantwortungslosigkeit war, dann wollte sie verantwortungslos werden. Sie kannte Menschen, die Freiheit dazu sagten.“. S. 581

Fazit: „Unterleuten“ beschreibt auf anschauliche Weise ein kleines Dort mit völlig unterschiedlichen Menschen, die sich anhand eines gemeinsamen Projektes miteinander auseinandersetzen müssen – ob sie wollen oder nicht. Flüssig zu lesen, unterhaltsam und dabei spannend – empfehlenswert also !

Weitere Informationen zum Buch: Titel: „UNTERLEUTEN“, Autor: Juli Zeh, ISBN: 978-3-630-87487-6, Gebundene Ausgabe mit Lesebändchen und Schutzcover, Preis: Euro 24,99/St., Link zum Verlag: HIER

 

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[Rezension] „Wenn das Land still ist“ – Carsten Kluth

Ein vielschichtiger und aktueller Debütroman von Carsten Kluth

(Quelle: Piper Verlag)

(Quelle: Piper Verlag)

Inhalt:

Der Richter Harald Kronauer ist verheiratet, hat drei Kinder und wirkt hin- und hergerissen zwischen Familie und Beruf. Am 12. August – einem besonders heißen Tag –  erreichen die  Ereignisse, die sich seit Monaten immer mehr und mehr zuspitzen, ihren dramatischen Höhepunkt – und Kronauer muss  eine zukunftsweisende Entscheidung treffen…

 

Meine Meinung:

Harald  Kronauer wird hin- und hergerissen zwischen Familie und Beruf. Seine ebenfalls stark beruflich engagierte Frau Johanna überträgt scheinbar nur zu gerne – und oft – die Fürsorge für die gemeinsamen Kinder auf ihren Mann, der unter dem schwierigen Spagat immer wieder an seine Grenzen stößt. Außerdem gibt es da noch Martina, seine Geliebte, die ihn beruflich vorantreibt,  ihn fördert, ihm Kraft gibt, ihn aber gleichzeitig auch fordert und ihn immer wieder in Gewissenskonflikte treibt.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Da ist zunächst der Tag X, der 12. August, an dem man Kronauer begleitet, hautnah Zeuge der aktuellen Geschehnisse wird. Auf der anderen Erzählebene geht man Wochen, Monate zurück in die Vergangenheit,  erhält Einblicke in Kronauers  Verhältnis zu Ehefrau, Kindern, der Geliebten, seinen Beruf als Richter. Seine Karriere, die plötzlich einen für ihn unerwarteten Aufschwung erlebt und ihn dadurch vor immer wieder neue Herausforderungen stellt…  Dabei wird u.a. sein Charakter immer deutlicher, seine Motivation, seine Sehnsüchte, seine Gewissenskonflikte, seine Überforderung.  Auch die Frauen spielen tragende Rollen – seine Frau Johanna, die nicht bereit ist, ihre beruflichen und ideellen Ziele der Familie unterzuordnen – und dabei dennoch immer wieder für Überraschungen sorgt, indem sie zeigt, dass sie „Familie und Beruf“ zumindest organisatorisch scheinbar „voll im Griff“ hat und jederzeit bestens informiert ist.  Und dann ist da natürlich noch die Geliebte Martina, die ihn beruflich „pusht“ und dabei dennoch irgendwie undurchschaubar bleibt…

Während seiner beruflichen und gleichzeitig sehr abenteuerlichen Reise rund um den Globus besucht Kronauer  Länder und Städte, die die Auswirkungen der Klimaveränderungen hautnah zu spüren bekommen. Dabei geht er nicht nur den Gründen für die Motive der Klimaflüchtlinge auf den Grund, sondern erhält ebenfalls Einblicke in die Vorgänge der Klimamanipulation – hoch aktuelle Themen also, die den Leser zum Nachdenken anregen  über ihm die globalen Auswirkungen des Fortschritts näher bringen.  Schade, dass es weder ein erläuterndes Nachwort noch einen Anhang mit zusätzlichen Informationen und/oderLinks gibt…

Der Schreibstil ist angenehm, eher etwas nüchtern, dabei aber nichts desto trotz mitreißend. Man kann sich in die Charaktere hineinversetzen, vor allen natürlich in den Protagonisten Kronauer, den man nicht immer verstehen kann oder muss, der dabei aber dennoch glaubwürdig bleibt.

Die Verbindung von politischen Themen wie „Klimawandel“, „Klimaflüchtlinge“ und „Klimamanipulation“ mit dem Spagat zwischen Familie und Karriere finde ich in diesem Debütroman des Autors Carsten Kluth  interessant und gelungen umgesetzt.  Hier darf man gespannt auf weitere Romane sein…

Meine Bewertung:         4 Buchbubis

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Fazit:

Ein gesellschaftlicher, moderner und vielschichtiger Roman, der aktuelle politische Themen mit den Problemen und Ängsten eines Familienvaters und Ehemannes verbindet. Absolut empfehlenswert !

Info zum Buch: Titel: „Wenn das Land still ist,  Autor: Carsten Kluth, Verlag: Piper Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 384 Seiten, Erstveröffentlichung: 12.03.2013, ISBN: 978-3492055659, Preis: 19,99 Euro (D)

Video (Interview mit dem Autor) zum Buch (3:48 Min.):

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[Rezension] Paula McLain: „Lady Africa“ (Die Frau, die den Himmel bezwang)

Lady Africa – eine außergewöhnliche Frau, ein beeindruckender Roman !

"Lady Africa" - Paula McLain, (Bildquelle: Aufbau-Verlag.de)

„Lady Africa“ – Paula McLain, (Bildquelle: Aufbau-Verlag.de)

Inhalt: Anfang 20. Jahrhundert in Kenia: Beryl Markham wächst im afrikanischen Busch auf – ihre adelige Familie hat eine Farm im unberührten Buschland gekauft, doch ihre Mutter entflieht dem kargen und anstrengenden Leben nach kurzer Zeit, sodass Beryl und ihr Vater alleine zurückbleiben. Beryl’s Vater ist ein „Mann der Pferde“ und so wundert es kaum, dass auch Beryl ihr Herz für Pferde entdeckt. Ihr Vater, den der Aufbau der Farm voll in Anspruch nimmt, lässt ihr viele Freiheiten, sie wächst meist ungezwungen auf, entwickelt sich zu einer mutigen und unerschrockenen jungen Dame, deren beste Freunde ihre Pferde und die einheimischen Kipsigis sind. Als sie den für Damen ihrer Zeit unschicklichen Beruf einer Pferdetrainerin ergreift , begibt sie sich schließlich vollends in die Position einer Außenseiterin , die sie Zeit ihres Lebens nicht wirklich loswird. Zum Glück lernt sie Karen Blixen kennen, eine ebenfalls eigenwillige Persönlichkeit, mit der sie nicht nur ihre Sorgen und Nöte teilt, sondern auch die besondere Verbundenheit zum Abenteurer Denys Finch.

Meine Meinung:

Die Autorin Paula McLain erzählt in diesem biographischen Roman die Geschichte der jungen Beryl Markham, die als „Erste Frau, die den Atlantik überquerte“ weltberühmt wurde. Kein Wunder, immerhin setzte sie mit ihrer Tat ein weiteres Zeichen hinsichtlich des Frauenbildes in einer Epoche des Umbruches und des Umdenkens.
Mc Lain beginnt im Jahre 1904 mit den frühen Kindheitsjahren dieser außergewöhnlichen Frau , sodass der Leser Einblicke in die Familiengeschichte und Hintergründe erhält … und so erahnen kann, welche Ereignisse und Beryl’s Charakter geprägt haben.
Geschickt verknüpft die Autorin reale Figuren und Ereignisse mit fiktiven Geschehnissen zu einer unterhaltsamen und berührenden Geschichte.

Hat man „Lady Africa“ aufgrund des vielversprechenden Covertextes gekauft oder zu lesen begonnen, so merkt man bald: Genauso wie die Pferde eine äußerst wichtige Rolle in Beryls Leben spielten – immerhin trat sie in die Fußstapfen ihres Vaters und trainierte Rassepferde – so nimmt das Thema Pferde auch im Roman einen recht großen Raum ein. Meine Erwartungshaltung gegenüber dieser Biographie ging anhand des Covertextes, verstärkt durch den Prolog, eher in Richtung der Lebensjahre, in der Beryl Fluggeschichte schrieb: wie und wann entdeckte „Lady Africa“ ihre Flug-Leidenschaft, wie kam sie zur Herausforderung der Atlantiküberquerung? Wie entwickelte sich ihr Leben nach diesem Rekord weiter ? Meine diesbezüglichen Erwartungen wurden nicht erfüllt, denn der zeitliche Rahmen, mit dem sich diese Biographie vorwiegend befasst, liegt VOR der Atlantiküberquerung, als sich die hübsche junge Frau noch weniger für die Fliegerei, als vielmehr für Pferde und Männer interessierte. Im Anhang schließlich erhält man doch noch „schnell“ einige nähere Informationen darüber.

Dennoch kann und will ich nicht behaupten, dass ich enttäuscht bin, im Gegenteil –  ich fand es sehr interessant und informativ zu erfahren, wie diese „Frau, die den Himmel bezwang“ ihre Jugendjahre verbracht hat (bis ca. 30 Jahre) und letztendlich – wen auch eher „nebenbei“  zu lesen, wem sie letztendlich wohl ihre Flugleidenschaft zu verdanken hat .
Gleichzeitig habe ich die lebhaften und ebenfalls sehr authentischen Schilderungen über Afrika genossen – Mc Lain vermittelt dem Leser wirklich beeindrucke Einblicke in das Leben und die Hintergründe zur Zeit des Umbruches, der Kolonialisierung „Als Kenia noch nicht Kenia war“ und die Zeit kurz darauf.

Die Autorin hat mithilfe vieler authentischer Quellen, nicht zuletzt Beryl’s eigenem Werk „Westwärts mit der Nacht – mein Leben in Afrika“ einen unterhaltsamen Roman über eine beeindruckende Frau geschrieben, über Afrika/Kenia zur Zeit der Kolonialisierung, der Fiktion und Realität gekonnt miteinander verbindet. Indem sie in der „Ich-Form“ schreibt, erhält der Roman eine sehr authentische und biographische Note, sodass ich fast dazu neigte zu vergessen, dass ich hier einen doch fiktiven Roman in den Händen hielt. Sehr hilfreich und dankbar bin ich daher über den Absatz im Anhang „Wahrheitsgehalt der Figuren“ , in dem sich einige meiner Fragen aufgeklärt werden. Außerdem erhält man im Anhang einige Anmerkungen zu den einzelnen Quellen und Informatives zur Kolonialgeschichte Kenias .

Meine Bewertung: 4 Buch-Bubis

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Meine Lieblingsfigur:

„Lady Africa“, d.h. Beryl Markham, ist meine Lieblingsfigur, eine Frau, die mutig und unerschrocken ihren Weg durchs Leben sucht – und ihn auch geht – unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen. Respekt!

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Meine Lieblingszitate:

Eins stand fest: Ich gehörte auf die Farm und ins Buschland. Ich war Teil der Dornbäume und der hoch aufragenden Vegetation, der tiefen Täler dazwischen und der hohen getreideartigen Gräser. Hier war ich zum Leben erwacht, als wäre mir eine zweite Geburt geschenkt worden, eine wahrhaftigere. Dies war meine Heimat, und auch wenn mir eines Tages alles durch die Finger rinnen würde wie roter Staub, war es für die Dauer meiner Kindheit ein Himmel, der perfekt auf mich zugeschnitten war. Ein Ort, den ich in- und auswendig kannte. Der eine Platz auf der Welt, für den ich geschaffen war.“ S. 24

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„Mit Arbeit bestreitet man aber nicht nur seinen Lebensunterhalt. Sie gibt einem einen Grund, weiterzumachen.“ s. 283

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Als Kenia noch nicht Kenia war, warf ich den Speer und den Rungu-Knüppel. Ich liebte ein Pferd mit Flügeln. Ich fühlte mich niemals einsam oder klein. Ich war Lakwet.“ S. 289

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Fazit:

Ein beeindruckender, unterhaltsamer und berührender biographischer Roman über die Frau, die als erste den Atlantik überquerte . Mir hat dieser biographischer Roman über „Lady Africa“ sehr gut gefallen, auch wenn das Grundthema  anders als erwartet war.

Informationen zum Buch:

Titel: Lady Africa , Autorin: Paula McLain, Verlag: aufbau-Verlag.de, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 464 Seiten, ISBN: 978-3351036195, Preis: Euro 19,95 (D), Erstveröffentlichung: 21. August 2015

 

 

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[Die Bastardtochter] Petra Schier – Rezension

„Die Bastardtochter“ – der gelungene Abschluss der Kreuz-Trilogie!  (M)eine Rezension

Inhalt:

Anno 1362: „Die Bastardtochter“ ist der dritte – und leider – letzte Teil der Kreuz-Trilogie. Dieses Mal begleitet der Leser die 20-jährige, unehelich geborene Enneleyn nach Koblenz, wo sie gut behütet bei ihrem leiblichen Vater und dessen Frau Elisabeth wohnt. Alt genug zum Heiraten ist sie längst, doch als „Bastardtochter“ ist es nicht ganz einfach, einen passenden Ehemann zu finden. Als Ritter Guntram von Eggern Enneleyns Weg kreuzt, sind daher schließlich alle glücklich über seinen Hochzeitsantrag – nicht zuletzt natürlich Enneleyn, die vom Charme des Ritters sehr eingenommen ist.

Schneller als gedacht zeigt der Ritter seiner Ehefrau gegenüber sein wahres Gesicht, das er nach außen hin gekonnt verbirgt – er ist alles andere als der treusorgende Ehemann, den sich Enneleyn so sehr gewünscht hat. Ihr Stolz verbietet ihr jedoch, ihr Schicksal nach außen hin zu zeigen, sie spielt eine Rolle, in die sie immer mehr hineinzuwachsen hofft, ganz „brave Hausfrau und Eheweib“. Doch je mehr sie Einsicht in seine machtgierigen Pläne erhält, umso schwerer fällt ihr dies. ..

Meine Meinung:

Die Autorin Petra Schier „entführt“ den Leser auch im dritten Band der Kreuz-Trilogie wieder ins Mittelalter, ins 14. Jahrhundert, dieses Mal nach Koblenz, wo man auf altbekannte Figuren wie z.B. Graf Johann von Manten mit Ehefrau Elisabeth sowie Luzia trifft. Kein Wunder, schließlich ist Enneleyn Graf Johann’s leibliche Tochter, die nun unter „die Haube“ kommt. Petra Schier gelingt es schnell, den Leser in diese Familie quasi aufzunehmen, man erinnert sich – sofern man die vorhergehenden Bände dieser Serie „Die Eifelgräfin“, „Die Gewürzhändlerin“ gelesen hat – an die überstandenen Geschehnisse und folgt nun ebenso gerne auch Enneleyn’s Schicksal. Da Enneleyn weiterhin in Koblenz wohnt, bleibt der Kreis mehr oder weniger geschlossen, die Familie ist stets präsent und der Zusammenhalt wird spürbar.

Apropo spürbar: Petra Schier’s flüssiger und natürlicher Erzählstil sorgt dafür, dass man sich als Leser die Situationen lebhaft vorstellen kann – sie verbindet Schilderungen über „das Leben“ im Mittelalter mit einem oft recht modern erscheinenden Sprachstil. Man merkt bzw. „spürt“, dass sie intensiv recherchiert hat, um Vorgänge und Lebensweisen nachempfinden und wiedergeben zu können.

Der berühmte „rote Faden“ in Form des geheimnisvollen Amuletts wird auch im vorliegenden Band aktiv weitergeführt, nicht umsonst heißt diese Trilogie „Kreuz-Trilogie“, ohne dabei jedoch allzu viel Raum einzunehmen. Er gibt der Geschichte jedoch einen mystischen Touch und sorgt für zusätzliche Spannung – eine ideale Mischung!

Dabei ist es jedoch nicht zwingend notwendig, die vorherigen Bände zu kennen, da jedes eine komplett in sich geschlossene – und spannende – Geschichte erzählt – auch wenn es die aktuelle Geschichte natürlich noch reizvoller macht.

Meine Bewertung: 4,5  Buch-Bubis, die ich auf 5 aufrunde:

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Meine Lieblingsfigur:

Palmiro“, der gewitzte kleine Italiener, der für seine Zukunft ein großes Risiko eingegangen ist.

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Mein Lieblingszitat:

„So wie ich es sehe, müsst Ihr entscheiden, ob Ihr das Risiko eingehen wollt, Euch an dem Feuer zu verbrennen, oder ob Ihr Euch zutraut, die wärmenden Eigenschaften der Flammen zu nutzen, ohne dabei Schaden zu nehmen … oder zuzufügen.“ S. 253

Fazit:

Mit „Die Bastardtochter“ findet die Kreuz-Trilogie ihr Ende – schade… Mir hat auch dieser letzte Roman der historischen Kreuz-Trilogie sehr gut gefallen – lebendig, kurzweilig, spannend !

Weitere Informationen zum Buch:

Titel: „Die Bastardtochter“, Autor: Petra Schier,    , Historischer Roman, 542 Seiten, Verlag: Rowohlt-Taschenbuch, ISBN-978-3-499268014, Erscheinungsdatum: 21.10.2015, Preis: 9,99 Euro (D).

Verlagsseite zum Buch: HIER

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