[Rezension] Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

Von einer Freundin habe ich kürzlich dieses Buch empfohlen bekommen… Ich las es – und bin begeistert ! Band 2 und 3 sind bereits bestellt ;-).

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(Bildquelle: Suhrkamp Verlag)

Inhalt: Lila und Elena sind seit ihrer Kindheit Freundinnen – ihre Freundschaft hält trotz der unterschiedlichen Charaktere der Mädchen über sechs Jahrzehnte… Doch nun ist Lila verschwunden… Grund genug für Elena, sich zu erinnern und für den Leser die Gelegenheit, in das Italien der fünfziger Jahre einzutauchen…

Meine Meinung: Den Anfang des Buches fand ich persönlich etwas „schleppend“ – das Verschwinden von Lila, die vielen Personen, die auseinanderzuhalten nicht einfach ist – ich wusste nicht so recht, worauf das „hinauslaufen“ sollte. Doch bald wird klar: Es geht hier nicht um die Suche nach besagter verschwundener Freundin, sondern um einen Rückblick auf die „alten Zeiten“, auf den Beginn ihrer Freundschaft, ihre Zweifel, ihre Gemeinsamkeiten, ihre Konkurrenz, ihre Unterschiedlichkeit. Und um das sizilianische Leben in einem kleinen Viertel in der Nähe Neapels, ganz nah und doch so weit weg vom Leben in der „Stadt“. Elena Ferrante beschreibt sehr authentisch und lebensnah die gesellschaftlichen Zustände und Regeln im Italien der 50iger, es fällt leicht, sich den Ort vor Augen zu führen, die Menschen, die Familien, ihre meist kargen Lebensumstände und ihr Bestreben, ihre Hoffnungen,  irgendwie „mehr“ daraus zu machen, dort herauszubrechen. Einigen ist es bereits gelungen, aber unter welchen Umständen…? Andere wiederum versuchen durch Bildung den Weg in ein besseres Leben zu finden, doch nicht jedem ist es finanziell möglich, die Schule zu besuchen….

Man begleitet die beiden Freundinnen Lila und Elena über einen Zeitraum  von ca. 10 Jahren (Kindheit und frühe Jugend) – aus der Sicht der Erzählerin Elena. Die Mädchen, besonders natürlich Elena, nehmen den Leser immer mehr gefangen, der ganze Ort wird vertrauter, bis man sich quasi als Teil dieser Gemeinde fühlt, mitlebt, miterlebt…  und am Ende dieses ersten Bandes natürlich unbedingt wissen will, wie es weitergeht !

Meine Lieblingszitate:

„Sie konnte schriftlich reden. Die Künstlichkeit des geschriebenen Wortes war nicht zu spüren. Beim Lesen sah und hörte ich tatsächlich sie. Ihre schriftlich eingefasste Stimme packte mich, fesselte mich noch stärker, als unsere Gespräche von Angesicht zu Angesicht es taten.“ S. 285

***

„Wollte sie aus dem Rione ausbrechen, ohne ihn zu verlassen? Wollte  sie uns von uns selbst befreien, uns die alte Hülle abreißen und uns eine neue aufnötigen? Eine Hülle, wie sie sie gerade für sich selbst erfand?“ S. 346

***

„Die Schönheit die sie von klein auf in ihre Kopf hatte, hat kein Ventil gefunden. Sie ist ihr komplett ins Gesicht in den Busen, in die Hüften und in den Arsch gerutscht, an Orte, wo sie schnell vergeht, so dass es sein wird, als hätte sie sie nie besessen.“ S. 351

Meine Bewertung: 5 Buchbubis 

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Fazit:

„Meine geniale Freundin“ ist Band 1 einer mitreißenden Familiensaga um eine Mädchenfreundschaft im Italien der 50er, mit interessanten Charakteren und  einem bildhaft-lebhaften  Schreibstil, der geradezu eine Sogwirkung auf den Leser ausübt. Band zwei und drei sind bereits bestellt…!

 Weitere Angaben zum Buch: Autor: Elena Ferrante, Titel: „Meine geniale Freundin“, Verlag: Suhrkamp, Gebundene Ausgabe  422 S., mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Preis: Euro 22,- (D) ISBN: 978-3-518-425534

Band 1: Meine geniale Freundin

Band 2: Die Geschichte eines neuen Namens

Band 3: Die Geschichte der getrennten Wege

Band 4 : Die Geschichte des verlorenen Kindes (erscheint voraussichtl. im Febr.2018)

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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Eine Antwort zu [Rezension] Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

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