[Rezension] „In 72 Tagen um die Welt“ von Matthew Goodman

Faszinierendes Wettrennen von zwei Journalistinnen um die Welt – anno 1889

In 72 Tagen um die Welt von Matthew Goodman (Bildquelle: Verlag Randomhouse)

In 72 Tagen um die Welt von Matthew Goodman
(Bildquelle: Randomhouse)

Inhalt:

New York 1889: Ist es möglich, die Welt in 80 Tagen oder gar weniger zu umrunden – wie in Jules Vernes‘ berühmten Roman? Zwei Journalistinnen setzen sich ein neues Ziel: Sie wollen den Globus innerhalb 75 Tagen umreisen ! Ausgangspunkt ist New York, doch während sich Nelly Bly Richtungen Osten auf den Weg macht, begibt sich Elisabeth Bisland nach Osten hin auf die Reise um die Welt. Und was als Newspaper-Story begann, entwickelt sich immer mehr zu einem Wettrennen der besonderen Art …

Meine Meinung:

Diese abenteuerliche und faszinierende „Story“ zweier Frauen, die die Welt in nur 75 Tagen umreisen wollen, ist eine wahre Geschichte ! Genau genommen handelt es sich um ein erzählendes Sachbuch, in dem keines der geschilderten Ereignisse fiktiv ist! Doch nicht nur das: Dialoge und viele Textstellen wurden einer schriftlichen Quelle entnommen, die man im Anhang des Buches nachverfolgen kann.

Umsomehr begeisterte mich diese wahre Geschichte um zwei Journalistinnen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts – mehr oder weniger freiwillig – auf den Weg auf diese besondere Reise machten. Beide Journalistinnen wollen beweisen, dass sie sich in dieser von Männern beherrschten und dominierten Welt behaupten können. Außerdem soll dies eine besondere und lesergewinnende Story werden ! Die Öffentlichkeit nimmt interessiert Anteil daran, von der Presse auf dem Laufenden gehalten und durch ein Gewinnspiel zur aktiven Beteiligung aufgefordert.

Fasziniert begleitet auch der Leser die beiden Frauen auf ihrer Reise, erhält teilweise detaillierte Einblicke in das damalige Zeitalter – erfährt nicht nur so manches über die Transportmittel Dampfschiff und Eisenbahn, sondern erhält auch vielfältige Eindrücke über Leben und Kultur auf den verschiedenen Reise-Stationen wie z.B. in China, Japan, Ceylon, Italien, London und natürlich in Amerika/New York. Dem Autor gelingt es meisterhaft, den Zeitgeist des viktorianischen Zeitalters festzuhalten und auch den Leser daran teilhaben zu lassen.

Nebenbei immer die Zeit im Blick: Sind die beiden Reisenden noch im Zeitplan, werden sie den Anschlussdampfer erreichen? Und natürlich die Frage: Wer wird zuerst wieder in New York eintreffen, wer wird Sieger, wer Verlierer? Werden sie es innerhalb der selbst gesetzten Frist von 75 Tagen schaffen? Die Kapitelüberschriften sind mit Datum und Ort versehen, einige s/w-Abbildungen vertiefen die Eindrücke und sorgen dafür, dass man sich als Leser noch besser in die beschriebene Zeit hineinversetzen kann.

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Meine Lieblingszitate:

„Bisland verbrachte Stunden damit, den Ozean zu bestaunen. „Das Blau wird tiefer und tiefer, bis man keine Worte mehr findet, um die Intensität seines brennenden Azurs auszudrücken, keinen Vergleich, der dies vermitteln könnte“. S. 261

„Ein Telegramm konnte von London ins über viertausend Meilen entfernte Bombay geschickt und eine Antwort erstaunlicherweise in weniger als fünf Minuten empfangen werden…. Die Eisenbahn hatte die Zeit beschleunigt; der Telegraf schien sie völlig überwunden zu haben.“ S. 332


„Mäkeln Sie an dem Stil meines Hutes oder meines Kleides, die kann ich ändern, aber verschonen Sie meine Nase, die ist mir angeboren.“ S. 414


„Doch Schluss mit dem Träumen. In dieser Welt gibt es ein Tagwerk zu erledigen, und ich renne gerade um sie herum gegen die Zeit an.“ S. 417


„Das waren Menschen, die noch neunundsechzig Tage vorher nie ein Wort von ihr gehört hatten, und ihr ging nun langsam auf, dass ihr Leben sich für immer verändert hatte.“ S. 509


„Sie schrieb nicht mehr eine Story; sie WAR die Story“. S. 519

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Meine Bewertung: 5 Buch-Bubis bookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folder

Fazit:

Für mich war dies eine unterhaltsame und informative Reise um die Welt, gemeinsam mit zwei interessanten und starken Frauen ihrer Zeit. Unterhaltsam, informativ, lehrreich, spannend – ein Roman bzw. ein „erzählendes Sachbuch“, das den Leser in die Welt des 19. Jahrhunderts entführt – sehr empfehlenswert !

Weitere Informationen:

Titel: „In 72 Tagen um die Welt“, Autor: Matthew Goodman, Verlag: btb (Randomhouse), Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 720 Seiten, Erscheinungsdatum: 16.12.2013, ISBN: 978-3442753994, Preis: EUR 22,99 (D)

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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2 Antworten zu [Rezension] „In 72 Tagen um die Welt“ von Matthew Goodman

  1. mschnee schreibt:

    Ich glaube, dieses Buch hab ich irgendwo schon mal gesehen … Und wenn es nur auf einer der Faltwände war, die bei uns in der Buchhandlung stehen. Wie auch immer: Es klingt wirklich sehr, sehr spannend, das muss ebenfalls auf meine WuLi :D.

  2. irveliest schreibt:

    Das muss ich mir notieren, klingt genial!!

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