[Rezension] „Ein flüchtiges Leuchten“ – Juha Itkonen

5 Jahrzehnte Familiengeschichte – von Angst bis Zweifel. Kraftvoll, sensibel, facettenreich und unterhaltsam!

Nachdem ich auf der Buchmesse Frankfurt an der Lesung zu diesem Buch mit Autor Juha Itkonen teilgenommen hatte, konnte ich nicht anders: dieses Buch musste ich haben! Also kaufte ich es im Anschluss an die Lesung und ließ es auch direkt signieren :-).

Inhalt:

Quelle: Droemer Knaur Hardcover, 544 S. ISBN: 78-3-426-19989-3

Quelle: Droemer Knaur
Hardcover, 544 S.
ISBN: 78-3-426-19989-3

Esko Vuori ist ein unverbesserlicher Optimist, und genau diese Wesensart verhilft ihm zu einer lieben Frau, Familie, einem eigenen Elektrogeschäft. Dass er dafür seinen Traum von Amerika erst einmal aufgeben muss, fällt ihm nicht besonders schwer – er hat alles, was er braucht.

Doch Optimismus ist eine Sache, die Realität eine andere, wie auch er im Laufe seines Lebens feststellen muss: während er glücklich und zufrieden ist, sucht seine Frau Liisa mehr Aufmerksamkeit und seine Kinder gehen nach und nach ihre eigenen Wege. Was bleibt für  Esko…?

Meine Meinung:

„Ein flüchtiges Leuchten“ ist nicht nur ein Familienroman, er ist ein Generationenroman einer finnischen Familie, beginnend im Jahr 1964 und über fünf Jahrzehnte verlaufend bis in die Gegenwart. Der Leser wird nicht nur Zeuge der ersten Mondbegehung, des technischen und globalen Fortschritts, der sich in dieser Zeit rasant entwickelt, sondern ebenso begleitet er die finnische Familie Vuori bei ihrer ganz persönlichen Entwicklung.

Als Erzähler fungiert Esa, der sich seiner erwachsenen Tochter zu erklären versucht – das Verhältnis zu ihr ist gespannt, und so holt er weit aus, beginnt mit seinem Vater, dessen Karriere, gibt tiefe Einblicke in die Hintergründe und Charaktere seiner Familie. Dabei ist er schonungslos, aber auch ehrlich – nicht nur mit Vater und Mutter, sondern auch mit sich selbst. Obwohl er selbst eher pessimistisch klingt, erkennt der den großen Optimismus und Euphorie seines Vaters, der jedoch auch Fehler macht, hängt an vielen freudigen und rührenden Erinnerungen, um dann jedoch meist wieder zu den negativen Rückblicken, Wehmut und Niedergeschlagenheit zu wechseln.

Dabei ist es im Grunde nur nebensächlich, dass wir es hier mit einer finnischen Familie zu tun haben – sicherlich erleben wir den Aufschwung und den Fortschritt aus finnischer Sicht, der Handlungsort ist im Grunde jedoch letztendlich beliebig austauschbar: egal, ob Finnland, Deutschland, Amerika, oder wo auch immer – es geht nämlich nicht konkret um die „typisch finnische“ Familie, nicht um Klischees, sondern vielmehr um den Menschen, um Gefühle, um Zusammenhalt, Vertrauen, Liebe, aber auch Zweifel und Hoffnung. Und auch wenn man als Leser hin und wieder das Gefühl hat, dass sich der Erzähler oft in Details verliert, ihnen dadurch vermeintlich zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird, so wird im weiteren Fortschreiten klar, dass sich genau dadurch die Geschichte als Ganzes langsam, aber sicher, weiterentwickelt.

Dabei wechseln Rückblicke mit aktuellen Einsichten ab, nicht immer fällt es leicht, den plötzlichen Abschweifungen zu folgen, auch wenn zu Beginn der Kapitel die entsprechende Jahreszahl vermerkt wird…

Interessant ist es mitzuerleben – und sich dadurch selbst in Erinnerung zu rufen – wie z.B. Kulturelle Ereignisse von jedem anders wahrgenommen werden. Während der Eine euphorisch, der andere gleichgültig ist, hat das Kind wiederum  einen völlig anderen Blickwinkel und Sichtweise… Diese Darstellung  gelingt dem Autor geschickt durch seine Figuren, komplexe Persönlichkeiten, die authentisch und lebendig sind – Menschen wie Du und ich, in denen sich der Leser durchaus wiedererkennen kann.

********************************************

Meine Lieblingszitate:

„Ich bin nicht so betrübt wie der Mann, von dem ich dir erzähle. Ich weiß nicht einmal, ob ich dieser Mann bin. Ich erschaffe ihn hie rund jetzt, forme ihn aus meinen Erinnerungen, den Mann, der an mich erinnert – und der Mensch, der ich wirklich gewesen bin, gerät mir aus dem Griff. Man kann ihn nicht in Worte fassen. Niemanden kann man in Worte fassen.“ S. 286

 ***

„Freude entsteht nicht von selbst. Man muss sie zur Entfaltung bringen.“ S. 287

***

„Zwischen dem Ereignis und der Erinnerung gibt es keinerlei Verzögerung mehr, keine Wartezeit, nicht wie damals, als Bilder noch entwickelt werden mussten und man auf die Entwicklung wartete; … Vielleicht war diese Verzögerung nötig. Vielleicht hatte sie einen Sinn. Es war die Zeit, die ein Mensch brauchte, um von einem Ereignis zur Erinnerung überzugehen; es kann nicht beides gleichzeitig geben. Die gespeicherten Erinnerungen sind inzwischen endgültig gewichtslos geworden. Sie sind federleicht, imaginär, nur Nullen und Einsen. Im Bruchteil einer Sekunde werden sie vom einen Rand der Welt zum anderen übertragen…. Sie bedeuten uns weniger als früher.“ S. 320

„Wir wollen uns an alles erinnern und erinnern uns genau deshalb an gar nichts mehr.“ S. 320

******************************************

Meine Lieblingsfigur:

Vater Eskoein Optimist und Mensch mit Ecken und Kanten.

*******************************************

Meine Bewertung: Ich vergebe 4,5 Buch-Bubis, die ich auf 5 aufrundebookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folder

Fazit:

Ein unterhaltsamer, kraftvoller und facettenreicher Familienroman von einem jungen finnischen Autor, der zu den talentiertesten jungen Autoren seines Landes zählt !

Weitere Informationen zum Buch:

Titel: „Ein flüchtiges Leuchten“, , Autor: Juha Itkonen, Verlag: Droemer,  Hardcover mit Schutzumschlag (ohne Leseb.), 544 Seiten,  ISBN: 978-3-426-19989-3, Erscheinungsdatum: 01.10.2014, Preis: 19,99 Euro (D), Original-Titel: „Hetken hohtava valo“ (2012)

Verlagsseite Droemer zum Buch: HIER

Autor Juha Itkonen über München und „Ein flüchtiges Leuchten“ auf You Tube (2:22 Min.):

Advertisements

Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
Dieser Beitrag wurde unter 5 Buch-Bubis, Familiensaga, Rezensionen / Bewertungen abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu [Rezension] „Ein flüchtiges Leuchten“ – Juha Itkonen

  1. irveliest schreibt:

    Dein Zitat über die Freude gefällt mir sehr!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s