[Rezension] „Drei auf Reisen“ – David Nicholls

Rührender Familien-Roman über den Kontrast zwischen Kunst und Wissenschaft

 Inhalt:

"Drei auf Reisen", David Nicholls, 544 Seiten, Gebunden, Kein-und-Aber-Verlag, Preis: 22,90 Euro (D), Erscheinungsdatum: 30.9.2014, ISBN:  978-3-0369-5701-2

„Drei auf Reisen“, David Nicholls, 544 Seiten, Gebunden, Kein-und-Aber-Verlag, Preis: 22,90 Euro (D), Erscheinungsdatum: 30.9.2014, ISBN: 978-3-0369-5701-2

„Ich glaube ich will Dich verlassen“ – mit diesen Worten weckt Connie ihren Ehemann nach über 20 Jahren Ehe nachts aus dem Schlaf – für Douglas bricht eine Welt zusammen. Immerhin hat das Wörtchen „glaube“ gehört – es scheint also noch Hoffnung zu geben. Denn für ihn steht fest: er liebt seine Frau und kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Er, der nüchterne und analytisch veranlagte Chemiker, der durch die charmante und künstlerisch veranlage Connie an seiner Seite so vieles gelernt hat – vor allen Dingen zu leben… Er nimmt sich vor, um sie zu kämpfen, ebenso um seinen 17-jährigen Sohn Albie, zu dem er leider nie ein sehr inniges Band hat knüpfen können – sein mangelndes Einfühlungsvermögen und seine allzu starren Ansichten haben dies verhindert… Die bereits seit langem akribisch geplante „Grand Tour“ quer durch Europa will Douglas nutzen, um alles wieder ins Lot zu bringen, seine Frau und Sohn zurückzugewinnen, verlorenes nachzuholen… Wird es ihm gelingen?

Meine Meinung:

Der neue Roman von David Nicholls begleitet eine vermeintlich ganz normale Familie auf ihrer penibel geplanten „Grand Tour“ quer durch Europa, die sich so ganz anders entwickelt als gedacht und immer mehr aus dem Ruder gerät. Planung war gestern…

Doch bevor der Leser sich auf diese abenteuerliche Reise begibt, erfährt man, dass dies weit mehr als eine Urlaubsreise ist. Jedes Familienmitglied verknüpft seine eigenen, großen Erwartungen damit und es bleibt bis zum Schluss fraglich, wie alles ausgehen wird. Ehemann Douglas will seine Ehe retten, seinen Sohn zurückgewinnen, Ehefrau Connie will ihrem Sohn eine Kulturreise der besonderen Art ermöglichen und Sohn Douglas nutzt die Reise Teenager- und pubertätsgerecht auf seine eigene Weise.

Aus Douglas‘ Perspektive erfahren wir mehr über die einzelnen Personen, dabei wirkt Douglas ein wenig „trottelig“, je mehr er plant, umso chaotischer scheint alles aus dem Ruder zu geraten. Er ist überaus (selbst)kritisch, oft sarkastisch bis ironisch, mit einem etwas skurril wirkenden Humor, sodass der Leser zwar immer wieder schmunzeln muss, dabei aber gleichzeitig immer mehr erkennt, wo Douglas‘ Problem liegt. Sein Spiegel, den er sich selbst vorhält, zeigt ihn schonungslos ehrlich – er erkennt sich und seine Fehler, betrachtet sich, aber auch die anderen sehr genau. „Selbstfindung“ lautet das Stichwort, doch die Probleme liegen natürlich nicht nur an einer Person, jeder trägt sein Scherflein dazu bei und anhand der Rückblicke in die Vergangenheit und die einzelnen Phasen seiner Beziehung zu Connie kann sowohl Douglas als auch der Leser immer mehr Einsichten erlangen, die mehr oder weniger nützlich, melancholisch, witzig, oder aber traurig sind.

Der Autor versteht es, Stimmungen sehr wirkungsvoll vermitteln, man kann sich dieser Wirkung kaum entziehen, erkennt sich selbst in der einen oder anderen Situation wieder – was dem Roman eine umso stärkere Authentizität verleiht. Nur zu gut kann man sich in die einzelnen Familienmitglieder hineinversetzen, und stellt sich oft vor, wie man selbst wohl reagiert hätte, stellt sich irgendwann selbst die im Raum stehende Frage, ob man Versäumtes nachholen oder gar ungeschehen machen kann…

Dabei wechselt die Zeitebene fast übergangslos zwischen Vergangenheit und Gegenwart , was zusammen mit den kurzen, übersichtlichen Kapiteln dazu führt, dass die Geschichte interessant und kurzweilig bleibt .

Das Ende ist nicht unbedingt vorhersehbar, aber durchaus sinnvoll und rundet die Geschichte schlüssig ab.

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 Meine Lieblingszitate:

„…meine Frau hat mir alles geschenkt, was ich mir je erträumt habe, ihr verdanke ich alles Gute und Lohnenswerte in meinem Leben, und wir haben so vieles gemeinsam durchgemacht. Ein Leben ohne sie war für mich unvorstellbar. Buchstäblich. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Und so beschloss ich, es auf keinen Fall so weit kommen zu lassen.“ S.44

 „Vielleicht sind die Audioguides in Museen deshalb so bliebt; eine beruhigende Stimme im Ohr, die einem sagt, was man zu denken und zu fühlen hat. Schauen Sie nach links, beachten Sie, richten Sie bitte Ihr Augenmerk auf; wäre es nicht großartig, eine solche Stimme auch außerhalb des Museums bei sich zu haben, während seines gesamten Lebens?“ S. 112

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„Wir glauben, in unseren Entscheidungen unabhängig und frei zu sein, dabei haben wir kaum mehr Spielraum als eine Straßenbahn auf Schienen“. S. 292

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„Das Wasser in Küstennähe war trüb vor Sonnencreme, fettig wie die Spüle nach einem Sonntagsbraten und voller Menschen, die still dastanden, die Hände in die Hüften gestützt, in Gedanken versunken, als versuchten sie sich zu erinnern, wo sie ihre Schlüssel gelassen hatten.“ S. 495

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Meine Lieblingsfigur:

Douglas – ein Biochemiker, der sich um mehr Empathie bemüht …

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Meine Bewertung: 5 Buch-Bubis bookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folder

 Fazit:

Eine unterhaltsame, melancholische Geschichte über den Kampf eines Mannes um sein Familienglück, um Selbstfindung, den Kontrast zwischen Kunst und Wissenschaft und einer abenteuerlichen Reise quer durch Europa. Sehr lesenswert !

Weitere Informationen zum Buch:

Verlag Kein & Aber

"Drei auf Reisen", David Nicholls, 544 Seiten, Gebunden, Kein-und-Aber-Verlag, Preis: 22,90 Euro (D), Erscheinungsdatum: 30.9.2014, ISBN:  978-3-0369-5701-2

„Drei auf Reisen“, David Nicholls, 544 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, Verlag: Kein & Aber Schweiz, Preis: 22,90 Euro (D), Erscheinungsdatum: 30.9.2014, ISBN: 978-3-0369-5701-2

Alle Bücher von David Nicholls (beim Kein&Aber-Verlag): HIER

 

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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2 Antworten zu [Rezension] „Drei auf Reisen“ – David Nicholls

  1. nane48 schreibt:

    Hat dies auf heisszeit rebloggt.

  2. seestern12 schreibt:

    Ich habe mir das Buch schon in der Bücherei vorbestellt und nach deiner Rezi freue ich mich schon aufs Lesen!

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