[Rezension] „Ein Land, das Himmel heißt“, Stefanie Gercke

Ehrliche Afrika-Familiansaga, bei der man die Liebe zu Land und Leuten spürt…

Inhalt:

"Ein Land, das Himmel heißt", Autor(in): Stefanie Gercke, Verlag: Knaur, Taschenbuch, ISBN: 978-3-426-51530-3, Erscheinungsdatum: 1.7.2014, Preis: 9,99 Euro (D)

„Ein Land, das Himmel heißt“, Autor(in): Stefanie Gercke, Verlag: Knaur, Taschenbuch, ISBN: 978-3-426-51530-3, Erscheinungsdatum: 1.7.2014, Preis: 9,99 Euro (D)

Die junge Jill Court lebt mit ihrer Familie auf Inqaba, einer Farm in Südafrika – mitten im Land der Zulus und mitten in der Zeit des politischen Umbruchs. Hier ist sie aufgewachsen, hier lebt sie mit ihren Eltern ein glückliches, bisher unbeschwertes Leben und ihre Hochzeit mit Martin machen das Glück perfekt. Dies ändert sich schlagartig, als ihr geliebter Bruder ermordet aufgefunden wird. Ursache: eine Briefbombe! Und als ob das noch nicht reicht, gerät ihre Familie in den Verdacht politischer Machenschaften. Ob sie will oder nicht: Jill muss sich mit der südafrikanischen Wirklichkeit, mit Politik und Apartheid, auseinandersetzen – ihr Glück, ihre Familie sind in Gefahr – und „Inqaba“, die Farm, die seit über 150 Jahren im Besitz der Familie ist…

Meine Meinung:

Stefanie Gercke hat wieder einmal gezeigt, dass sie weiß, wovon sie schreibt. Sie hat viele Jahre dort gelebt, eigene Erfahrungen gesammelt und sich ausgiebig mit Land und Geschichte Südafrikas auseinandergesetzt. Gleichzeitig spürt man ihre Verbundenheit mit dem Land, gekonnt lässt die Autorin ihre Liebe zum Land, zur Landschaft, zu den Menschen durchblicken und so fällt es dem Leser nicht schwer, sich Land und Leute bildhaft vorzustellen und nachzuvollziehen, wie sehr die Protagonistin Jill an diesem Land und ihrer Farm hängt.

Doch bei aller Sympathie für dieses Land zeigt die Autorin ehrlich und schonungslos auf die Probleme hin, macht sie zu einem Hauptthema dieses Romans. Denn die Schicksalsschläge, die Jill hinnehmen muss, sind eng verbunden mit einem schier aussichtslosen Kampf gegen Apartheid, Politik und Vorurteilen, um alte Landrechte und nicht zuletzt ein Kampf gegen sich selbst. Es ist geradezu spannend, Jill’s persönliche Entwicklung zu verfolgen: von der jungen, naiven Frau, zur selbständigen, selbstbewussten Frau, die ihren Mann steht, die aber gleichzeitig immer wieder durch unbedachte und nicht immer nachvollziehbare Handlungen überrascht. Menschlich eben… ;-).

Der Erzählstil der Autorin ist flüssig und mitreißend, die Geschichte vor dem realen politischen Hintergrund Südafrikas in den 1990ern erscheint sehr authentisch und lebendig – man kann sich gut vorstellen, dass ähnliche Ereignisse durchaus stattgefunden haben könnten und der Leser erfährt so einiges über das Leben und die gesellschaftlichen Probleme und sogar mögliche Ursachen. Dies alles geschieht ohne Wertung oder gar moralisierend, aber dennoch bleibt es natürlich nicht aus, dass man sich ebenfalls mit dem Thema und dem Land auseinandersetzt.

Die Erzählung selbst schwankt zwischen sehr detailreich, manchmal fast schon ein wenig langatmig, und überraschend kurzen und knappen Schilderungen – ausgerechnet bei Ereignissen, über die man gerne mehr erfahren hätte über Ursachen, seelische Verarbeitungen usw. So fehlte es mir teilweise doch etwas an Emotionen, die Protagonistin blieb mir allen Schicksalsschlägen und „Kämpfen“ zum trotz seltsam fremd und ihre Handlungen wirkten für mich oft nicht wirklich nachvollziehbar, was dem positiven Leseeindruck allerdings kaum Abbruch tat.

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Mein(e) Lieblingszitat(e):

„An diesem Tag starb das Kind in ihr. An diesem Tag musste sie sich dem Leben stellen… Wie unter einem Schirm hatte sie gelebt, der jedes Unwetter von ihr fern gehalten hatte.“ S. 283

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„Afrika ist ein ständiger Kampf, es gibt nichts, was sanft und mild wäre. Alles ist unbändig und so voller Kraft, dass mir angst wird. Ich werde diesem Land etwas von der Kraft entreißen müssen, um hier zu bestehen. Das werde ich sicherlich tun. Denn das Land ist großartig. Ich werde nie wieder woanders leben können.“ S. 496

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Meine Lieblingsfigur:

Irma, Schriftstellerin und  Tante von Jill.

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Meine Bewertung:

4 Buch-Bubis: bookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folder

Fazit:

Ein stimmungsvoller, sehr unterhaltsamer, spannender und informativer Afrika-Roman. Eine Familiensaga, bei der man die Liebe zu Land und Menschen spüren und nachempfinden kann.

Sonstiges:

„Ein Land das Himmel heißt“ ist ein vollkommen eigenständiger Roman, der bereits 2002 im Droemer-Knaur-Verlag erschien. Allerdings folgten im Anschluss daran noch zwei weitere Bände über Inqaba, in denen es über die Vergangenheit der Familienfarm geht. Schließlich entstand sogar eine Trilogie: 1) Ein Land, das Himmel heißt 2) „Schatten im Wasser“ 3) „Feuerwind“.

Ein Land das himmel heißt kl 978-3-426-51530-3

Schatten im Wasser kl 351_47024_67939_xlfeuerwind, kl. 351_40500_72844_xl

Für mich steht nun außerfrage, dass ich mehr über Inqaba und Südafrika erfahren möchte und auch die beiden Folgebände lesen werde.

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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