[Rezension] „Die Farm“ – John Grisham

Ein Grisham außerhalb des Gerichtssaales, aber mindestens genauso fesselnd !

Inhalt:

"Die Farm" -

„Die Farm“ – John Grisham, Gebunden, 463 Seiten, Erschienen: 2002

Der siebenjährigen Luke Chandler lebt mit seiner Familie in Arkansas, Anfang der Fünfziger Jahre. Die Baumwollernte steht an – sie ist wichtig für die Existenz der Chandlers, vom Ertrag der Felder hängt maßgeblich das Wohl und Wehe der Familie ab. Der Sommer beginnt wie stets: die Suche nach Baumwollpflückern beginnt – Menschen, die während der 6-wöchigen Erntezeit auf dem Hof der Familie leben werden. Die Angst vor dem Regen bestimmt die Gedanken des Vaters, während Luke ganz andere Dinge beschäftigen: Geheimnisse, die ihm gewollt und ungewollt zugetragen werden, erschrecken und ängstigen ihn und die Zeit der Baumwollernte wird für ein unvergessliches Abenteuer für ihn.

Meine Meinung:

Grisham einmal ohne Gerichtssaal. Ungewohnt, aber gerade dies reizte mich an „Die Farm“- ein Roman, der bereits einige Zeit in meinem Regal schlummert und den ich nun endlich zu lesen beschloss. Das Grisham es meisterhaft versteht, seine Leser zu fesseln, hat er oft und hinreichend bewiesen und so war ich gespannt auf seinen Gerichtsfremden Roman. Und ich wurde nicht enttäuscht:

Grisham lässt den siebenjährigen Luke Chandler erzählen, aus seiner Sicht, in seiner kindlichen Ausdrucksweise und in seinem Erzählstil, durch den man sich als Leser quasi in die Haut und Perspektive des Jungen hineinversetzen kann. Nur zu gut kann man die Ängste und Konflikte nachempfinden, die Luke mitmacht, als er z.B. Zeuge eines Kampfes um Leben und Tod wird. Man kann die Liebe und Fürsorge der Eltern miterleben, die sich um ihn und den Hof kümmern, ihn jedoch dennoch seine eigenen Erfahrungen machen lassen und ihn nicht überbehüten. Dazu wäre auch keine Zeit, immerhin gibt es dringendere Sorgen: die Baumwolle muss rechtzeitig vor dem großen Regen eingebracht werden, dazu müssen genügend und vor allen Dingen zuverlässige und ehrliche Pflücker angeheuert werden, die den Sommer über mit ihnen auf dem Hof leben. Wird alles gelingen, werden sich alle verstehen? Und auch Luke muss „seinen Mann“ stehen: natürlich muss er helfen, er ist eine wichtige Arbeitskraft, doch – typisch Kind – sucht und findet er immer wieder Mittel und Wege, um sich dem Druck zu entziehen.

Grisham hat in diesem Roman auf eigene Kindheitserinnerungen zurückgegriffen, inwieweit und wieviel davon sich tatsächlich in „die Farm“ wiederfinden, kann man nur erahnen, auf jeden Fall aber hat er einen feinfühligen, dabei fesselnden und faszinierenden Roman geschrieben, der zeigt, dass seine Schreibfertigkeit keineswegs einseitig, sondern im Gegenteil äußerst facettenreich ist. Auch wenn sich die gesamte Geschichte nur auf der Chandler-Farm abspielt, mit kurzen Ausflügen in das nahe Dorf, so versteht es der Autor, das Leben abwechslungsreich und keineswegs langweilig zu schildern: die Ereignisse überschlagen sich oft geradezu, es wird Baseball gespielt, das Radio ist wichtiger Nachrichtenträger und Baumwollpflücker sorgen für allerlei Aufregung, die die Familie an ihre Grenzen gehen lässt…

Ich habe jede Seite genossen, habe mit Familie Chandler und vor allem mit Luke um die Ernte gebangt und an den tiefgreifenden Ereignissen, die sich in diesem Sommer auf der Farm der Chandler’s abspielten, teilgenommen.

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Mein(e)  Lieblingszitat(e):

„Während der nächsten zwei Monate würde ich bei Sonnenaufgang auf die Felder gehen, mir einen Sack über die Schulter schlingen und einen Augenblick auf eine endlose Reihe Baumwolle starren, die Sträucher höher als ich, dann würde ich mich hineinstürzen und wäre nicht mehr zu sehen. Und ich würde Baumwolle pflücken, die flaumigen Kapseln in gleichmäßigem Tempo von den Zweigen reißen, sie in den schweren Sack stopfen und mich davor fürchten, die Reihe entlang zu blicken und daran erinnert zu werden, wie endlos lang sie war, und ich hätte Angst davor, langsamer zu werden, weil jemand es bemerken würde.“ S. 18

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Und ich nickte und log weiter, und indem ich das tat, tat ich mehr für unsere Baumwollernte als sechs Monate gutes Wetter“. S. 124

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„Dann setzte ich mich zwischen Pappy und Gran auf die Bank. Wieder einmal lauschten wir dem leisen Donnern im Südwesten und warteten auf Regen.“ S. 413

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Meine Lieblingsfigur:

Luke Chandler, 7 Jahre alt,

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Bewertung: 5 Buch-Bubis bookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folder

Fazit:

Ein „Grisham“ außerhalb des Gerichtssaales, aber nichts desto trotz ein äußerst lesenswerter, unterhaltsamer und tiefgreifender Roman. Empfehlenswert nicht nur für alle, die Grisham mögen, sondern auch für alle, die gerne Lebens- oder Familiengeschichten lesen. Fesselnd, facettenreich, berührend .

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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2 Antworten zu [Rezension] „Die Farm“ – John Grisham

  1. marijap1 schreibt:

    Sehr schön vorgestellt! Vielen Dank!
    Ich mag Grisham. Habe alle seine Bücher gelesen. Die Farm finde ich auch ein seiner ungewöhnlich besondere Werke, habe vor ca 10 Jahren gelesen. Ausgezeichnet! – Jede Passage ein Genuss – kann ich nur bestätigen. War eine der Inspirationen für mein eigenes Buch „Die Hängebrücke über die Theiß“ 🙂
    Liebe Grüße
    Marija

    • BirthesLesezeit schreibt:

      Danke für das Feedback :-). Ich habe inzwischen auch schon einige seiner Bücher gelesen und mag die juristischen Romane sehr. Aber „Die Farm“ ist anders – und einfach gelungen ! :-). LG Birthe

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