[Rezension] „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ Carson McCullers

Das Debüt der jungen Autorin Carson McCullers, das 1940 erstmals erschien, gehört längst zu den Klassikern der Weltgeschichte. Ein bewegender, melancholischer Roman, in dem der taubstumme John Singer die Titelfigur ist.

Inhalt:

1930er: In einer Kleinstadt im amerikanischen Südstaat Georgia leben die unterschiedlichsten Menschen. Hauptfigur dieses Romans ist der taubstumme und gleichzeitig mysteriös anmutende John Singer, der für vier Protagonisten der Verbindungspunkt ist. Mr. Singer, der ruhige, geheimnisvolle und so verständnisvolle Herr, der trotz seiner Gehörlosigkeit für jeden ein offenes Ohr hat. Dabei ist es gar nicht nötig, dass er seinen Gästen – die ihn regelmäßig besuchen und ihm dabei ihr Herz ausschütten- antwortet . Es reicht, dass er „zuhört“ und für alle einfach da ist. Wer weiß, vielleicht liegt ja auch gerade darin sein Geheimnis – immerhin läuft man nicht Gefahr, dass er alles weitertratscht wie so viele andere…

Egal, ob das 13-jährige Mädchen mit dem großen Musiktalent, der Cafe-Besitzer, der schwarze Doktor oder der rebellische Kommunist- sie alle suchen bei dem Taubstummen Trost und Hilfe. Ihre Lebensgeschichten sind es, die in diesem Roman beschrieben werden, ihre Schicksale, ihre Träume und Hoffnungen im Amerika der 1930er, in dem Schwarze und Weiße ums Überleben kämpfen – und um ihre Rechte…

Doch wo bleibt Mr. Singer – wer kümmert sich um seine Belange, seine Nöte? Immerhin leidet er sehr unter dem Verlust seines engsten Freundes, ist wahrscheinlich sogar der Einsamste von allen…

Meine Meinung:

Ein Roman, dessen Stimmung sehr nachhaltig wirkt. Die junge Autorin,, die mit „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ ein gewaltiges Debüt geschrieben hat, hat es meisterhaft verstanden, dem Taubstummen Mr. Singer eine Stimme zu geben. Gleich einem Beichtvater kommen seine vier Gäste mit ihren Sorgen zu ihm, mit ihren Wünschen, Nöten… Und Mr. Singer hört zu, ist für alle da und hilft den Ratsuchenden dadurch, gibt ihnen Trost, Rat, stellt seine Belange meist hinten an.

Aber auch er hat ein eigenes Leben, in dem Liebe und Verlust eng einhergehen…

Es ist regelrecht faszinierend, nach und nach mehr über das Leben und die Probleme der einzelnen Personen zu erfahren, in denen Überleben, Armut, Gerechtigkeit, Rassismus und Kommunismus eine große Rolle spielen. Der Schreibstil passt sich den Lebensumständen an, die Gehör- und Sprachlosigkeit von Mr. Singer ist regelrecht nachzuempfinden, es scheint oft, als ob man das Gelesene zwar aufnimmt, aber keine Antwort darauf findet. Beeindruckend, stilecht, facettenreich und fesselnd. Auch oder vielleicht gerade weil die Handlung insgesamt vor sich hin zu plätschern scheint, kann sich der Leser gut in die die Lebenssituationen hineinversetzen, er wird nicht unnötig abgelenkt, und spürt immer mehr, was und wie ihre Schicksale verbunden sind und erhält ein sehr lebendiges Bild darüber, was das Leben ib Amerika vor dem zweiten Weltkrieg ausmachte…

Mein(e) Lieblingszitat(e):

 Man musste ihn einfach beobachten, auch wenn man gar nicht wusste, dass er anders war als alle anderen. Wenn man seine Augen sah, meinte man, er hörte Dinge, die kein anderer je gehört hatte, dass er Dinge wusste, die niemand anders vor ihm geahnt hatte. Etwas an ihm war nicht ganz menschlich.“ S. 42

 Mick Kelly, Jake Blount und Doktor Copeland saßen in dem stillen Zimmer und redeten – denn sie spürten, dass der Taubstumme sie immer verstehen würde, was sie ihm auch sagen wollten. Vielleicht verstand er sogar viel mehr. S. 152

 „Alles war bereit – nur er war es nicht. Wie konnte er aufbrechen, wenn er weder Anfang noch Ende, weder die Wahrheit noch das Ziel sah?“ S. 533

„Ihr war, als hätte man sie betrogen. Nur dass sie niemand betrogen hatte. Also konnte man auch seine Wut an niemandem auslassen. Und dennoch – trotz allem hatte sie dieses Gefühl :betrogen.“ S. 573

Meine Lieblingsfigur:

John Singer – taubstumm, aberer hört und spricht mehr als die meisten anderen… man muss ihm nur zuhören…

Fazit:

Ein ergreifender, ruhiger und melancholischer Roman, der nicht umsonst zu DEN Klassikern der Weltgeschichte gehört und der zu den Büchern gehört, das den Leser auch bei mehrmaligem Lesen immer wieder neue Seiten entdecken und erfahren lässt…

Bewertung:

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das herz ist ein einsamer jäger

Titel: „Das Herz ist ein einsamer Jäger“, Autorin: Carson McCullers, Erst-Erscheinungsdatum: 1940, Meine Ausgabe: Hardcover, Leinen (leider OHNE Lesebändchen), 600 Seiten, Verlag: Diogenes, ISBN: 978-3257068016, Preis: 22,90 Euro(D), Erscheinungsdatum: Nov. 2011, Übersetzung: Susanna Rademacher,

 

Verlagsseite zum Buch: HIER

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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