[Rezension] Stolz und Vorurteil – Jane Austen

„Es ist eine Wahrheit, über die sich alle Welt einig ist, daß ein unbeweibter Mann von einigem Vermögen unbedingt auf der Suche nach einer Lebensgefährtin sein muß. Welcher Art die Gefühle und Wünsche eines solchen Mannes im übrigen auch immer sein mögen, diese Wahrheit hat eine so unumstößliche Geltung, daß er schon bei seinem ersten Auftauchen von sämtlichen umwohnenden Familien als rechtmäßiger Besitzer der einen oder anderen ihrer Töchter angesehen wird“.

 Was für ein Satz ! Und gleichzeitig der erste Satz in Jane Austen’s wohl berühmtesten und beliebtesten Roman „Stolz und Vorurteil“. Dieses Zitat bildet auch direkt den richtigen Einstieg ins Geschehen, in das, worum es in diesem Roman geht: um die Suche nach einer Ehefrau bzw. einem Ehemann und um die Beweggründe für die entsprechende (Aus)Wahl.

Dabei ist die junge Elisabeth Bennet zweifellos die Hauptfigur- eine junge Frau, die zusammen mit ihrer Familie in bescheidenen, aber keineswegs armen – Verhältnissen im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts lebt. Elisabeth und ihre Schwester Jane bestechen durch ihre Intelligenz und ihre Warmherzigkeit – keineswegs selbstverständliche Wesensarten in einer Zeit, in der Vergnügen, Oberflächlichkeit und Langeweile das Leben vieler Frauen bestimmten. Ihre Mutter hat nur ein Ziel: ihre Töchter möglichst schnell unter die Haube zu bringen. Doch dies ist nicht ganz so einfach wie gedacht: die Konkurrenz ist groß – auch andere Mütter haben schöne Töchter und die gutsituierten Männer somit heiß umworben. Doch ihre Töchter haben ihre eigenen Vorstellungen von Ehe und gehen ihren eigenen Weg – so steinig er auch sein mag…

Meine Meinung:

Ein Klassiker unter den Liebesromanen, an dem man wohl kaum vorbeikommt, immer wieder im Gespräch, in den Medien, im Buchhandel – trotzdem hat es bis heute gedauert, ehe ich dieses Buch endlich in die Hand genommen und gelesen habe…

Jane Austen beschreibt lebhaft und mit einigen ironischen Untertönen die Suche eines geeigneten Heiratskandidaten. Dabei erfährt man so einiges über Sitten und Gebräuche der damaligen Gesellschaft, der Mittelschicht, die scheinbar von Oberflächlichkeit, Langeweile und Vergnügungssucht beherrscht wurde. Klugheit war weniger gefragt als Schönheit und Vermögen – und offensichtlich lag man in einem ständigen Wettbewerb mit Nachbarn und Freunden. Aber es gab zum Glück auch Ausnahmen – Personen, die mit diesen Gesellschaftsformen nicht viel anfangen können und entsprechend schnell als Sonderling und Außenseiter gelten, Angriffsfläche für Gerüchte und Vorurteile bieten. Daran hat sich wohl damals wie heute nichts geändert ;-).

Der Unterschied zwischen Dummheit und Intellligenz wird umso deutlicher, als Elisabeth und Jane, die „klugen“ Schwestern, eine Mutter und jüngere Geschwister haben, die selbst vom Vater ob ihrer mangelnden Intelligenz verspottet, ja fast schon verachtet werden.

Jane Austen versteht es, beide Seiten darzustellen, wobei sie der Gesellschaft fast schon spöttisch und ironisch einen Spiegel vorhält und gleichzeitig ihre Gefahren aufzeigt. Gefühle werden zu sehr in den Hintergrund gedrängt, Geld, Ansehen und Vergnügen, gepaart mit Vorurteilen und Engstirnigkeit stehen im Vordergrund und verdrängen für die Menschlichkeit so wichtige Werte wie Ehrlichkeit, Strebsamkeit, Empathie. Durch den zeitgemäßen Schreibstil wird man sofort in das 19. Jahrhundert hineinversetzt und Jane Austen’s Schilderungen und Dialoge lassen ein äußerst lebendiges und authentisches Bild dieser Zeit entstehen.

Ein Liebesroman, der also gleichzeitig Gesellschaftskritik übt und damals wie heute seine Leser durch Schreibstil, ausgefeilte Ausdrucksweise und facettenreiche Charaktere in den Bann zieht.

Mein(e) Lieblingszitat(e):

„Man kann auch Stolz und Eitelkeit auseinanderhalten, wenn die beiden Worte auch oft für ein und dieselbe Sache gebraucht werden: man kann stolz sein, ohne eitel zu sein. Der Stolz bezieht sich mehr auf unsere eigene Meinung von uns selbst, die Eitelkeit jedoch auf die Meinung, die wir gern von anderen über uns hören möchten“. (S. 22, Kapitel 5)

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„Zwei Leute können sich noch so gut gekannt haben, können noch so viel miteinander gemein gehabt haben, auf das Glücklichwerden hat das nicht den geringsten Einfluß. Der eine oder andere von ihnen wird sich immer genügend verändern, um beiden ihr Teil Kummer und Ärger zu sichern.“ (S. 25, Kapitel 6)

„Ich werde erst sprechen, wenn ich nichts mehr zu sagen haben werde!“ S. 212, Kapitel 40)

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Meine Lieblingsfigur:

Mr. Darcey – ein Mann, der sich nicht den allgemeinen Zwängen der Gesellschaft unterwirft. Er ist ehrlich, sehr direkt, was ihn nicht unbedingt beliebt macht. Aber er ist lernfähig… ;-).

Fazit:

„Stolz und Vorurteil“ ist Jane Austen’s berühmter und beliebester Roman – ein Frauenroman, der seine Leser damals wie heute in den Bann zieht und somit gleichzeitig ein Klassiker, der einen Ehrenplatz im Regal verdient.
Bewertung:

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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5 Antworten zu [Rezension] Stolz und Vorurteil – Jane Austen

  1. Ulrike Sokul schreibt:

    Liebe Birthe,
    es gibt einen sehr schönen und stilvollen Roman, der erst kürzlich erschienen ist und der eine ganz hervorragende Ergänzung zu „Stolz und Vorurteil“ ist. In Jo Bakers Roman „Im Hause Longbourn“ lernen wir die Familie Bennet aus der Perspektive der Hausangestellten kennen; das ist sozusagen „Downton Abbey“ im Jane-Austen-Gewand…
    Hier folgt der Link zu meiner Buchbesprechung:
    http://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/09/09/im-hause-longbourn/
    Viel Freude beim Entdecken!

    Bibliophile Grüße
    Ulrike von Leselebenszeichen

    • BirthesLesezeit schreibt:

      Liebe Ulrike,
      herzlichen Dank für diesen Tipp :-). Bei Jane Austen kommen die Haus-Angestellten ja meist seehr kurz, daher finde ich es sehr interessant, einmal einen Roman aus der Perspektive der Menschen im HIntergrund kennenzulernen, um zu erfahren, wie es ihnen erging. Herbstliche Grüße, Birthe

  2. katnissdean schreibt:

    Ich bin großer JA Fan und vor allem Stolz und Vorurteil liebe ich über alles. Hach. Einfach nur wunderschön!!

  3. MelMel schreibt:

    Wer liebt Mr. Darcy nicht *schmacht* 😀
    Du hast aber sooo recht mit dem ersten Satz; der wirft einen sofort in das Setting, den Ton und die Stimmung des Buches rein. So gesehen, ist es der perfekte Beginn für ein Buch 🙂
    Ich liebe Jane Austens subtile Ironie 😀 Schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat!

    Liebe Grüße
    MelMel

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