„Du darfst nicht lieben“ – Lisa Gardner [Rezension]

Rezension: du darfst nicht lieben.jpg.708122Der wohl brutalste Fall der FBI-Agentin Kimberly Quincy – nichts für schwache Nerven! Titel:  „Du darfst nicht lieben“, Autor: Lisa Gardner, Verlag: rororo, Veröffentlicht am: 01.04.2014, 480 Seiten, Ausgabe: Taschenbuch, ISBN 978-3-499-25584-7

 

Als eine Freundin der jungen Prostituierten Delilah verschwindet, bittet sie FBI-Agentin Kimberly Quincy um Hilfe. Schließlich ist dies nicht die erste Frau, die spurlos verschwunden ist. Ein Freier, der gefährliche und giftige Spinnen als Haustiere hält und daher „Spinnenmann“ genannt wird, zieht schnell die Aufmerksamkeit auf sich und gerät in den Focus der Ermittlungen. Kimberly, im 5. Monat schwanger, ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Arbeit und ihrem Versprechen ihrem Mann Mac gegenüber, kürzer zu treten, um sich und das Kind nicht zu gefährden. Doch das Netz der Ermittlungen und der vermissten Frauen hat sie längst gefangengenommen und lässt sie nicht mehr los. Die Fäden scheinen sich immer mehr zu verstricken – doch Kimberly will nicht aufgeben, bevor sie das tödliche Netz und die Spinne gefunden hat, die bereits auf ihr nächstes Opfer wartet…

Meine Meinung:
Der sechste Fall der FBI-Agentin Kimberly Quincy ist nichts für zarte Gemüter, soviel schon einmal vorab…
Lisa Gardner hat mit „Du darfst nicht lieben“ einen Psycho-Thriller geschrieben, der den Leser fesselt, schockiert und gleichzeitig bis ins Innerste packt. Indem sie die ein empfindliches und oft taburisiertes Thema aufgreift, kann man die Augen nicht mehr davor verschließen und muss sich damit auseinandersetzen, dass Kinderprostitution leider keine Fiktion ist, sondern selbst der „Burgerman“ auf wahren Hintergründen beruht.

Und eines ist sicher: Der Covertext und/oder die Beschreibung dieses Thrillers lässt keinesfalls auf den wahren Inhalt dieser Geschichte schließen, die Überraschung meinerseits war recht groß…

Die Geschichte ist wahrlich brutal, wenn auch nicht im Sinne von blutig – der Autorin gelingt es, die Grausamkeit und die Seelenpein der Opfer nur allzu deutlich darzustellen, ohne dabei allzu bildlich zu werden – die eigene Vorstellungskraft ist vollkommen ausreichend, um die genauen Vorgänge zu erahnen.
Die Figuren werden sehr ausführlich und prägnant charakterisiert, egal ob Täter, Opfer, oder die schwangere FBI-Kommissarin, die ganz nebenbei noch ihren eigenen inneren Kampf bezüglich ihrer zukünftigen Mutterrolle ausfechtet.

Zugegeben: Anfangs war ich etwas erstaunt, verwirrt, denn die Autorin macht es dem Leser bewusst schwer, die unterschiedlichen Perspektiven zeitlich zuzuordnen – es gibt keine Zeitangaben, keine Ortsangaben, sie überlässt es dem Leser, Ereignisse und Personen passend zuzuordnen. Doch erreicht man das Ende der Geschichte, wird deutlich, dass die Autorin genau dies beabsichtigt hat : sie spannt den Leser auf die Folter, gibt kleine Einblicke, lässt den Leser jedoch bis zum Schluss im Dunkeln darüber, was genau geschehen ist, führt ihn geradezu an der Nase herum. Touché!

Übrigens: Wer unter einer Spinnenphobie leidet, sollte dieses Buch am besten gar nicht erst in die Hand nehmen: Vogelspinnen, Geigenspinnen, Schwarze Witwe – sie sind die Lieblinge des „Spinnenmanns“ und man kann hier einiges über diese „possierlichen“ Tierchen lernen.

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Mein Lieblingszitat:

Loxosceles reclusa leben im Verborgenen und sind deshalb schwer unter Kontrolle zu halten“. S. 66

„Sie tat, wovon sie einiges verstand: zu retten, was zu retten war“.        S. 256

„Er achtete die Spinnen. Er studierte und fütterte sie, letztlich um die Spinne in sich selbst zu finden“. S. 211

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Meine Lieblingsfigur:
Kimberly Quincy – sie schwankt zwischen der Pflicht und der Energie für ihre Arbeit – und ihrer zukünftigen Mutterrolle…

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Bewertung: 5 Buch-Bubis

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Fazit: der neue Fall von Agentin Kimberly Quincy ist wohl der bisher grausamste und schonungsloseste – nichts für schwache Nerven, nichts für Arachnophobier, aber für alle Liebhaber von fesselnden Psychothrillern mit außergewöhnlichen, aktuellen Themen !

 

Extras:

„Du darfst nicht lieben“ auf der Verlagsseite Rowohlt-Verlag: hier entlang

Bisherige Fälle der FBI-Agentin Kimberly Quincy

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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7 Antworten zu „Du darfst nicht lieben“ – Lisa Gardner [Rezension]

  1. Meine Buchtipps schreibt:

    von ihr hab ich vor langer zeit ein buch gelesen, was mir nicht gefallen hat. seit dem hab ich nie wieder ein buch von ihr gelesen.
    lg petra

  2. WortGestalt schreibt:

    Habe auch vor längerer Zeit mal einen Thriller von Lisa Gardner gelesen und wollte seitdem eigentlich immer mal weiterlesen! Also danke, dass Du mich quasi daran erinnerst! 😉 Und ich danke Dir gleichzeitig von Herzen für die Spinnen-Warnung, das ertrage ich nämlich absolut nicht! Aber zum Glück gibt es ja eben noch genug andere Fälle und so kann ich um diesen erstmal einen Bogen machen und mir einfach die anderen vornehmen! 😀

    LG, WortGestalt

    • Birthesblogzeit schreibt:

      Oja, ich weiß, die lieben Spinnen… Ich habe eine Freundin, die würde um das Buch schon einen großen Bogen machen wegen des Spinnennetzes auf dem Cover. Aber wenn sie das Wort „Spinne“ liest oder gar eine Spinne sieht, würde das Buch im hohen Bogen durch die Luft fliegen vor lauter Schreck und Phobie ;-).
      Daher ist es wohl gut, dass das Cover bereits ein Spinnenetz zeigt, so kann man doch schon ahnen, dass diese Tierechen darin vorkommen ;-). Liebe Grüße, Birthe

  3. Oh…nun dachte ich endlich wieder ein richtiger Thriller und eigentlich ist das Buch schon auf meiner Wunschliste, aber als ich jetzt das über die Spinnen gelesen habe…ich hasse Spinnen!!!! Und ich fürchte mich total vor den Viechern…..:(

    • Birthesblogzeit schreibt:

      Ohje… Aber solange Du darüber lesen kannst und keine regelrechte Phobie hast… Vielleicht wäre es einen Versuch wert – man lernt und erfährt einiges über diese Tiere, ich fand es sehr interessant ! Vielleicht siehst Du Spinnen hinterher mit ganz anderen Augen ;-). Ich fand es, wie gesagt, ganz interessant, etwas über Vogelspinnen, Schwarze Witwe, usw. zu lernen. Aber meine Lieblingstiere werden es nie werden ;-). Liebe Grüße, Birthe

  4. Karthause schreibt:

    Ab und an mag ich es ja richtig blutig und spannend. Von Lisa Gardner habe ich bislang noch nichts gelesen, werde mir die Autorin aber mal merken. Kann man diesen Thriller auch lesen und verstehen, wenn man die anderen Teile der Reihe nicht kennt? Ich mag nämlich keine neue Serie beginnen. LG Heike

    • Birthesblogzeit schreibt:

      Naja, brutal im Sinne von richtig blutig ist er nicht unbedingt (habe dies im Text nun noch ergänzt), die Brutalität geht eher vom Thema selbst aus – der Kindermissbrauch, der Spinnenmann, auch Morde… Ich will hier nicht zuviel verraten, daher kann ich nur sagen: Lesen! ;-). Man muss die übrigen Fälle absolut nicht kennen, ich selbst habe bisher auch erst einen anderen Fall von ihr gelesen. Aber dieser Krimi hier hat mir nun wirklich Lust auf die anderen Quincy-Fälle gemacht, mir gefällt der Schreibstil und Aufbau von Lisa Gardner. Liebe Grüße, Birthe 🙂

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