Filmkritik: „Hagenberg“ – historischer Film, Wochenteiler # 13/2014

Hagenber kino kleinDen heutigen Wochenteiler möchte ich einem außergewöhnlichen – regionalen – Kinofilm und einem wohl einzigartigen Projekt widmen, das mich so sehr beeindruckt hat, dass ich heute darüber berichten möchte:

„Hagenberg – Die Geschichte der Stadt Hachenburg“.

Dieser historische (Dokumentar-)Film sorgt bereits seit einiger Zeit für Aufsehen und Aufmerksamkeit, in der Region ist sozusagen das „Hagenberg-Fieber“ ausgebrochen – und so lag es auch für uns nahe, uns diesen historischen Film über die Geschichte der Stadt Hachenburg, die ca. 35 km von uns entfernt liegt, anzusehen.

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Hachenburg, eine kleine, charmante Stadt im Westerwald, feiert in diesem Jahr (2014) ihr 700-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums wurde in einem wohl einzigartigen Projekt ein Film gedreht, der das Geschehen der  Vergangenheit – und seine prägende Wirkung auf die Gegenwart von Stadt und Land eindrucksvoll und sehr lebendig widergibt. Beginnend mit dem Bau der damaligen Burg, geht es weiter in der Historie mit Reformation, wirtschaftlicher Blütezeit, Katastrophen, Revolution, Pest, Belagerungen, Glaubenszwiste und nähert sich so immer mehr dem 20. Jahrhundert, dem Naziterror, um schließlich in der Gegenwart zu verweilen, ja sogar einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Doch es geht nicht nur um die Ereignisse der Zeitgeschichte selbst, sondern ebenso oder besonders um das Schicksal der Bevölkerung – die Menschen stehen im Mittelpunkt, ihr Umgang mit Kriegen, Belagerungen, Pest, usw., und somit auch ihr Einfluss auf die Zukunft der Stadt. Immerhin sind es stets die Menschen, die eine Zeit prägen – dies herauszustellen, ist den Filmemachern wichtig und wurde gelungen umgesetzt. Die Recherchen waren intensiv, wurden mit der Stadtchronik abgestimmt, jede im Film erwähnte Person, jede Anekdote hat es wirklich gegeben, und zusammen mit in die Handlung eingebundenen Original-Fotos ist „Hagenberg alles andere als eine trockene Dokumentation ist, sondern wird zu einem wahren Erlebnis – lebendig, unterhaltsam, einprägsam. Natürlich darf auch der Hachenburger/Westerwälder Dialekt nicht fehlen, er sorgt für Authentizität, immerhin war dies die Sprache der Region, auch wenn sie heute, wie so oft, immer mehr in Vergessenheit gerät.

Unter der Leitung des Filmemacher Thomas Sonnenschein, der gleichzeitig Drehbuchautor und Regisseur dieses Filmes ist, enstand dieses außergewönliche Zeitzeugnis:

  • 700 Jahre Stadtgeschichte anschaulich dokumentiert in 156 Minuten Spieldauer.

  • Ca. 500 ehrenamtliche Mitwirkende/Laiendarsteller

  • 80 verschiedene Drehorte

  • rund 1.000 Kostüme und Requisiten aus 8 Jahrhunderten

  • 3 Jahre Arbeit

  • Selbst komponierte Filmmusik

  • Eine kleine Stadt im Westerwald trifft auf historische Ereignisse der Weltgeschichte

  • Ein äußerst knappes Budget von nur 40.000 Euro (Stadt, Spendengelder)

  • Akribische Recherchen

  • Ein Engagement, das seinesgleichen sucht

  • Begeisterung, die ansteckt.

Natürlich darf man hier nicht den Standard eines Films  „Made in Hollywood“ anlegen, wo Millionen für die Dreharbeiten und Effekte zur Verfügung stehen –  immerhin sind Mittel und Finanzen in für „Hagenberg“ mit 40.000 Euro äußerst begrenzt. Dennoch darf man sich überraschen lassen von teilweise perfekt inszenierten Kinoszenen, hochwertigen visuellen Effekten und darüber, wie geschickt  die aktuelle Stadtkulisse der Altstadt in das historische Geschehen eingegliedert wurde. Kosten wurden wohl gescheut, aber wirklich keinerlei Mühen, wenn es darum ging, ein authentisches historisches Bild von Hachenburg zu zeichnen. Dieser Film ist mit viel Liebe entstanden – Liebe zur Stadt Hachenburg, Liebe zu den Menschen, Liebe zum Detail. Er verdient alle Hochachtung –  Hut ab vor dieser Leistung, dem Durchhaltevermögen, dem Engagement !

Ich muss sagen, ich war äußerst beeindruckt. Will man sich diesen Film im Kino ansehen, muss man allerdings bisher nach Hachenburg im Westerwald reisen, in das dort ortsansässige Kino – (Anfragen aus anderen Kinos liegen bereits vor).  Außerdem sollte man genügend Zeit einplanen, denn inkl. Vorspann und einer 15-minütigen Pause sind für die Vorführung rund 3,5 Stunden angesetzt.

Ein historischer Film über 700 Jahre Stadt- und Zeitgeschichte, der lebendiger kaum sein könnte, absolut real, intensiv recherchiert. Keinesfalls nur für die Einwohner Hachenburgs sehenswert, denn das Schicksal dieser Stadt und der Menschen dort gleicht wohl dem vieler anderen Orte im Westerwald.

Fazit:

„Hagenberg“ –  ein bleibendes Geschenk an die Stadt Hachenburg, das auch zukünftige Generationen schätzen werden!

Extras:

Bericht Südwestfunk (Mediathek) vom 12.3.14 – 8.09 Minuten:

Bericht des Südwestfunk-Fernsehens über dieses Filmprojekt von 11. Dez. 2013 (You Tube ca. 4 Min.):

Impressionen Hachenburg:

Hachenburg_Alter_Markt

Hachenburg Alter Markt

Hachenburg_Schloss

Hachenburg Schloss

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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