Krimi „Und die Schuld trägt Deinen Namen“ – Jörg Böhm – REZENSION

RZ-Bšhm-Schuld-1001.inddTitel: „Und die Schuld trägt Deinen Namen“ – Autor: Jörg Böhm, Verlag: G. Braun, Taschenbuch, 366 Seiten, ISBN : 978-3765088056, Preis: 12,95 Euro (D)

Inhalt:

In einem kleinen beschaulichen Ort in der Pfalz wird ein Winzer von seinem Traktor in seinem Weinberg überfahren  – ein Unfall? So recht mag daran niemand glauben und somit wird Hauptkommissarin Emma Hansen aus Ludwigshafen gerufen. Sie hat alle Hände voll zu tun, sich einen Überblick über den „Unfall“ und mögliche Mordmotive zu verschaffen. Zum Glück steht ihr seit neuestem ein junger Kollege zur Seite : Matthias Roth, dem Emma mit sehr gemischten Gefühlen gegenübersteht. Gemeinsam  beginnen sie mit den Ermittlungen, nehmen Kontakt mit den Dorfbewohnern auf und stellen bald fest, dass es hier alles andere als idyllisch zugeht: ein großes Geheimnis, eine große Schuld schwebt über dem Dorf, genauso wie der allseits gegenwärtige Nebel…

Meine Meinung:

In diesem zweiten Kriminalroman von Jörg Böhm ermittelt die Ludwigshafener Hauptkommissarin Emma Hansen in ihrem zweiten Mordfall.  Emma Hansen, die viele sicherlich bereits aus Jörg Böhm’s Debütroman („Und nie sollst Du vergessen sein“) kennen, wird dem Leser in diesem zweiten Fall in Burrweiler immer vertrauter – Einblicke in ihre persönlichen Ängste und Sehnsüchte, lassen sie sympathisch wirken und sorgen dafür, dass man sie ins Herz schließt.

Der Autor macht es ihr – und dem Leser wahrlich nicht leicht:  bald schon ist klar, dass ein Geheimnis über dem auf den ersten Blick idyllisch anmutenden Dorf liegt, und auch die Ermittlungen bringen Emma nicht wirklich weiter, im Gegenteil: immer mehr Verdächtige und weitere Morde erschweren die Suche nach der Wahrheit. Volle Aufmerksamkeit wird verlangt – von Polizei und Leser ! Mit großer Raffinesse werden  Fäden gelegt, bewusst verstrickt und verknäult,  sodass das Miträtseln Spaß macht und zu einer wirklich gelungenen Herausforderung wird. Spannung pur!

Die Charaktere wirken sehr authentisch, wobei es der Autor versteht, die meisten seiner Figuren mit einer eigenen, geheimnisvollen Aura zu umgeben, die sie zunächst z.B. sympathisch, verdächtig, geschwätzig oder naiv erscheinen lässt. Doch der Leser merkt schnell, dass man den ersten Eindrücken nicht zu sehr trauen sollte –  überraschende  Ereignisse und geschickt platzierte Andeutungen sorgen dafür, dass die Figuren lange undurchschaubar und stets in Bewegung bleiben.

Genauso wie das stets mitschwingende Geheimnis liegt der scheinbar allgegenwärtige Nebel in der Luft, der unzweifelhaft die düstere, schuldbeladene und verräterische Stimmung steigert, den Leser in diese Atmosphäre hineinzieht, ohne sich – zum Glück –  jedoch auf sie zu übertragen.

Apropo Atmosphäre: Ein weiterer Pluspunkt sind die äußerst anschaulichen Beschreibungen der Landschaft, der Weinberge und der Dörfer, wodurch es leicht gelingt, sich an die oft  Schauplätze zu versetzen und sich mühelos darin zu bewegen.

Der Schreibstil, der mir persönlich zu Beginn des Buches noch ein wenig „hölzern“ erschien,  wurde im Verlauf des Geschehens immer flüssiger,  bis ich mich irgendwann völlig auf das Geschehen einlassen konnte und nur noch treiben ließ. Wobei,  von gemütlichem „Treibenlassen“ kann hier wohl kaum die Rede sein:  Das Tempo  nimmt  immer mehr zu, neue Morde, neue Verdächtige, neue Wendungen – bis ich irgendwann geradezu atemlos  eine Pause benötigte, um die vielen Eindrücke, Personen, die vielen neuen Ereignisse zu sortieren und zu verarbeiten.  Spannung pur – für Langeweile bleibt hier keine Zeit!

Hilfreich für  „Verschnaufpausen“ jeglicher Art sind dabei die  kurzen,  gut gegliederten Kapitel, die Einblicke in die unterschiedlichen Handlungsstränge und Perspektiven bieten.

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Mein Lieblingszitat

stammt ausnahmsweise einmal nicht aus dem Buch selbst, sondern aus der Premierenlesung dieses Pfalz-Krimis. Eine Äußerung von Autor Jörg Böhm selbst :

 „Ihnen wird noch hören und sehen vergehen in diesem Krimi,

glauben Sie es mir !

Diesen Spruch von Jörg Böhm musste ich vor wenigen Wochen erst einmal so in den Raum stellen – jetzt hingegen, nachdem ich diesen Kriminalroman gelesen habe, gibt es für mich keinen Zweifel mehr daran: er hat recht !

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Fazit:

Hat mir Jörg Böhm’s Debütroman „Und nie sollst Du vergessen sein“ bereits sehr gut gefallen, so überzeugte mich Jörg Böhm’s neuer Krimi durch noch größere Raffinesse.  Man darf gespannt sein auf den nächsten Fall von Emma Hansen… :-). Für alle Krimifans eine absolute Leseempfehlung !

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Extras:

Autorenseite Jörg Böhm: hier

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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