„Der Tag wird kommen“, Nina Vogt-Ostli – REZENSION

Titel: „Der Tag wird kommen“, Autor: Nina Vogt-Østli, Verlag: Coppenrath, Gebundene Ausgabe mit Schutzcover (ohne Lesebändchen), ISBN: 978-3649613862, 240 Seiten, 14,95 Euro (D), Erscheinungsdatum: Januar 2014, Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre

Meine REZENSION:

Inhalt: Bereits seit der Grundschule wird der 15-jährige Hans-Petter auf übelste Weise von seinem Mitschüler Andreas gemobbt . Doch indem Hans Petter versucht,  „unsichtbar“ zu sein, sich vollkommen unauffällig verhält und mittelmäßige Noten schreibt, ist er ein wenig aus dem Focus von Andreas herausgetreten. Als ein Lehrer Hans Petter zu einem Projekt einlädt, ist es mit dem angenehmen Schattendasein vorbei: Andreas wird wieder auf ihn aufmerksam und die Peinigungen beginnen  erneut. Verzweifelt sucht Hans Petter nach einem Ausweg – und glaubt fest daran, dass seine Zeit kommen wird, in der er sich und anderen beweisen kann, was wirklich in ihm steckt…

Meine Meinung/Eindrücke:

Beim Betrachten des Covers war ich immer unschlüssig, was der starre Blick des Jungen, der hinter schwarz-roten-Streifen hindurchschaut, ausdrücken will: Angst, Entschlossenheit, Bedrohung…?

Nachdem ich nun das Buch gelesen habe, ist mir dies klar – ich werde es aber an dieser Stelle nicht verraten, aber ich verspreche Euch: jeder, der das Buch lesen wird bzw. es gelesen hat, wird wissen, wovon ich rede… Auf jeden Fall macht das Cover und der starre Blick des jungen darauf neugierig, ich wollte wissen, welche Gefühle genau dieses Gesicht spiegelt, was für eine Geschichte…

Ich war einigermaßen überrascht, einen Jungen – vielleicht den Jungen vom Cover – als Erzähler vorzufinden. Hans Petter, ein 15-jähriger Junge und somit mitten in der Pubertät, erzählt  seine eigene Geschichte, die von Mobbing und Peinigungen durch den Mitschüler Andreas geprägt ist. Er ist ein Außenseiter, versucht so unauffällig und somit unsichtbar für alle zu leben, scheint aber ansonsten  ein  „ganz normaler“ Jugendlicher zu sein, der viel und gerne PC spielt, teilweise überheblich und  dabei doch unsicher wirkt.  Sein Verhältnis zu seinen Eltern ist  gespalten, auch insgesamt erscheint er zwiespältig, hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen, seinen Plänen.

Den Erzählstil empfand ich sehr flüssig und glaubhaft – Satzbau und Ausdrucksweise passen zu einem 15-jährigenebenso wie seine oft widersprüchlichen Ansichten, ja,  ich bildete mir anfangs sogar ein, seine Handlungsweise verstehen zu können – immerhin habe ich selbst zwei Kinder im Pubertäts-Alter.

Mobbing spielt eine zentrale Rolle und ich fühlte mich so hilflos, ärgerte mich über Ignoranz und Fehlverhalten  – stets in dem Bewusstsein, dass es sich zwar um eine fiktive Geschichte handelt, die aber gleichzeitig stellvertretend für unseren nur zu realen Alltag, die Gesellschaft steht. Doch das zu Beginn so einnehmende Thema wandelt sich im Verlauf immer mehr zu der Frage nach der Ursache und Herkunft des „Bösen“ im Menschen – angeboren oder durch äußere Einflüsse, die Gesellschaft „anerzogen“?

Der Beginn dieser  „Wandlung“ geschieht recht plötzlich, ich empfand ihn geradezu als „Einschlag einer Bombe“, durch ein unvorhergesehenes Ereignis, auf das ich keineswegs gefasst war –  die Inhalts-Beschreibung des Buches lässt keineswegs auch nur vermuten, dass ein solches Element auftreten könnte, stellte eigene Vermutungen an.  Also wartete ich ab, was weiterhin geschieht,  ließ ich mich  darauf ein, nahm Einblicke in ein Szenario, dass eindrucksvoll, aber nicht zu ausufernd  geschildert wird und stellte mir bald ebenfalls diese aufwühlende Frage nach dem Ursprung.

Eine wesentliche Variable dieses Romanes, die im Verlauf eine immer größer werdende Bedeutung erlangt,  bilden mehr oder weniger intensive Internet-Chats. Durch den übersichtlichen und eigenwilligen Stil dieser Unterhaltungen wird  die gesamte Geschichte   nicht nur aufgelockert, sondern erhält gleichfalls  eine klare Struktur und eine umso höhere Intensität.

Die Stimmung dieses Romans ist – wie könnte es bei diesem Thema anders sein – bedrückend, bedrohlich,  immer durchwebt von  Hoffnung auf eine gute Wendung. Einige der Charaktere bleiben dabei erstaunlich oberflächlich, worüber ich  ein wenig enttäuscht war,  immerhin hätte der Umfang des Buches mit knapp 240 Seiten durchaus noch etwas Luft nach oben gehabt, um „tiefer“ in das persönliche Umfeld und die Thematik einzusteigen;-).  Dennoch ist es  ausreichend, um aufzurütteln und zum Nachdenken  über eine brisante Frage anzuregen, wobei anzumerken ist, dass „Der Tag wird kommen“ noch VOR den Breivik-Attentaten in Norwegen entstand.

Das Ende der Geschichte ist zwar irgendwann zu erahnen, aber nichtsdestotrotz erschütternd – nicht nur für den Leser ( und vielleicht ganz anders, als der Leser dieser Rezension es sich im Moment vorstellen wird, sofern er das Buch noch NICHT kennt).

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Mein Lieblingszitat:

„Es ist unglaublich, was man alles mitkriegt, selbst wenn man versucht, möglichst nur auf die Erde zu starren. Ich fühle mich unangenehm sichtbar. Sehne mich danach, ignoriert zu werden.“ S. 25

Meine Lieblingsfigur:

Ich finde keine, sorry… Und ich würde zu sehr spoilern, wenn ich erklären würde, warum…

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Fazit: Das packende Jugend-Roman-Debüt der Norwegerin Nina Vogt-Ostli, das es in sich hat und keineswegs nur für Jugendliche geeignet ist, sondern gleichfalls für  Erwachsene !

Meine Bewertung: 4 Buch-Bubis

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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