„Die Mörder von Karthago“ – Gisbert Haefs – REZENSION

die mörder von karthago klein_xxlTitel: „Die Mörder von Karthago“, Autor: Gisbert Haefs, Genre: Roman
Meine Ausgabe: Gebunden, mit Schutzumschlag (ohne Leseb.), Verlag: heyne,
ISBN: 978-3453525283, Erscheinungsdatum: 2010.


Dies ist mein erstes  Buch von Gisbert Haefs – bisher habe ich eigentlich nur gutes von ihm und seinen Büchern gehört und so freute ich mich auf diesen Roman.

Karthago in der Zeit anno 228 v. Chr. – eine Mischung aus Roman und Krimi. Ich war gespannt, denn ich habe bisher zwar einige Krimis aus diversen Zeitaltern gelesen, aber niemals aus der Antike.

Inhalt:

Bomilkar ist „Herr der Wächter“ und somit für die Ordnung in der Stadt Karthago anno 228 v. Chr. zuständig. Die Ruhe der Stadt wird gefährdet, als mehr oder weniger gleichzeitig drei Morde geschehen. Bomilkar beginnt zu ermitteln, doch eine diplomatische „Dienstreise“ beruft ihn zusammen mit einer Gesandschaft nach Rom – immerhin ist das Verhältnis zwischen den punischen Karthago und Rom äußerst gespannt, der (erste) Punische Krieg liegt erst 13 Jahre zurück. In Rom erhält er unverhofft hilfreiche Informationen, die die Vermutung nahelegen, dass die Morde weitreichendere Ursachen hatten als ursprünglich vermutet. Zurück in Karthago, führt er seine Ermittlungen fort …

Meine Meinung:

Zu Beginn der Geschichte genoss ich die fremden und gleichzeitig wohl in dem Zeitalter gebräuchlichen Namen wie Bomilkar („Herrscher der Wächter“), Hüter des Heiligtums, Autolykos, Patroklos, Hanno, Teschu, Dyamir,  sowie die zeittypischen Ortsnamen wie z.B. Qart Hadasht (Karthago). Die gebräuchlichen Straßen- und Ortsnamen gaben mir das Gefühl, mich in das vorgegebene Zeitalter hineinzuversetzen und neben einer kriminalistischen Geschichte auch etwas über die Geschichte und den Alltag Karthagos  mitnehmen zu können.

Doch je weiter ich las, umso mehr wurde dieses positive Gefühl überdeckt von einem anderen Eindruck: der Schreibstil und die allgemeine Ausdrucksweise, die der Autor seinen Figuren in den Mund legt, war mir einfach … zu modern. Es fiel   mir nach und nach immer schwerer, mich in das Leben und den Alltag des antiken Karthago hineinzuversetzen.

Unbestreitbar hat Gisbert Haefs sehr genau recherchiert – nicht nur für diesen Roman. Das zeigt sich z.B. an den informativen und geschickt eingeflochtenen Ausführungen und Erklärungen hinsichtlich des Zeitraums zwischen dem ersten und zweiten Punischen Krieges, die interessante Einblicke in Hintergrund und historische Begebenheiten geben, insbesondere in die Punischen Kriege  (der Roman ist zeitlich zwischen dem ersten und dem zweiten Punischen Krieg angesiedelt). Ich finde ich es sehr mutig, einen (Kriminal-)Roman in der Antike anzusiedeln.

Aber trotzdem: Insgesamt waren für mich waren Sprache und Schilderung des Lebensstils leider nicht ganz glaubwürdig, nicht passend, sie sorgten dafür, dass keine rechte Atmosphäre aufgebaut wurde,  behinderten meinen Lese- und Gedankenfluss zunehmend.  Ich fühlte ich mich in diesem Roman und mit den Figuren mehr und mehr „fremd“.  Auch die Praktiken bei den Ermittlungen und Obduktion waren wir eindeutig zu modern und erschienen mir oft nicht unbedingt zeitgemäß.

Neben all dieser Modernität in der Ausdrucksweise und Umgangston irritierte und verwirrte mich außerdem die Tatsache, dass die Morde zwischendurch scheinbar völlig vernachlässigt wurden, der Herrscher der Wächter reist überraschend nach Rom, wo er entführt wird, einen Feind zum Freund gewinnt und schließlich nach Karthago zurückkehrt. Dies hat zwar entfernt mit den Mordfällen zu tun, trotzdem hat der Autor m.E. sehr weit ausgeholt, er verliert sich etwas, lässt die zu Beginn aufgebaute Spannung abflachen und es fehlte m.E. insgesamt etwas an Struktur, der sogenannte rote Faden „verknotete“ sich zwischendurch.

Trotzdem fand ich den Roman insgesamt lesenswert und ich habe gleichzeitig auf  unterhaltsame Weise einiges über die reale Geschichte und Hintergründe der Punischen Kriege erfahren, für die ich mich bisher nicht wirklich interessierte.

******************************************

Mein Lieblingszitat:

„Überall gibt es „Uns“ und „Die da“. „Wir“ sind Menschen, „Die da“ sind Barbaren und man muss auf der anderen Seite des Meers gewesen sein, um zu wissen, daß „Die da“ drüben „Wir“ sind und wir „Die da“, die Barbaren.
******************************************

Fazit:

Ein zweifellos gut recherchierter, historischer (Kriminal-)Roman aus der Antike, der mich jedoch leider nicht recht überzeugen konnte, der aber dennoch durchaus lesenswert ist.

bookmarks_folderbookmarks_folderbookmarks_folder

 Extras: Foto Ruinen von Karthago (Antoninus-Pius-Thermen) Quelle: Wikipedia

Die Mörder von Karthago klein

Advertisements

Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
Dieser Beitrag wurde unter 3 Buch-Bubis, Historische Romane, Krimi/Thriller, Rezensionen / Bewertungen abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s