„Im Tal des Fuchses“ Charlotte Link – REZENSION

Ich war sehr gespannt auf Charlotte Link’s neuen „Roman“ – und wurde nicht enttäuscht! Hier meine Rezension:

Titel: „Im Tal des Fuchses“, Autor: Charlotte Link,                                                         Meine Ausgabe: Taschenbuch, 575 Seiten, ISBN 978-3442382590, Verlag: Blanvalet (Randomhouse), 9,99 Euro, Erscheinungstermin: 11. Nov. 2013

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REZENSION:

Inhalt: Während Mathew Willard mit seinem Hund eine kleine Runde im Wald dreht, wartet seine Frau Vanessa (un)geduldig auf dem Parkplatz auf ihn – nach dem soeben geführten Streit im Auto genießt sie die Zeit ohne ihn, kommt zum Nachdenken, will sich beruhigen. Was dann geschieht, ist einfach unfassbar: ein Auto taucht auf, ein Mann überwältigt und entführt sie, versteckt sie an einem geheimen Ort in einer Holzkiste, wo sie auf seine Rückkehr warten soll. Doch der Plan des Entführers geht nicht auf: er wird von der Polizei wegen einer Schlägerei verhaftet und verurteilt – während die geringen Lebensmittelvorräte von Vanessa zur Neige gehen… Mehr kann ich an dieser Stelle leider nicht über den Inhalt verraten, ohne zu spoilern, doch

meine Meinung über diesen neuen Krimi von Charlotte Link ist überaus positiv: Charlotte Link hat es wieder einmal verstanden, den Leser bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Spannung, die gleich zu Beginn der Geschichte aufgebaut wird, bleibt durchweg erhalten, da im Hinterkopf immer die alles entscheidende Frage bestehen bleibt: was ist mit Vanessa geschehen??? Dabei bietet die Autorin geschickt verschiedene Möglichkeiten an, legt falsche Fährten, lockt, verwirrt Täter, Opfer und Leser gleichermaßen und lässt keinen Zweifel daran, dass die Autorin stets alleinige Herrin über das Geschehen in diesem Roman bleibt ;-). So liest sich ein guter Krimi !
Auch die Charaktere überzeugen durch absolute Authentizität – sie wirken „echt“, ihre Gefühle sind nachvollziehbar und Charlotte Link ist es gelungen, die verschiedenen Persönlichkeiten vielseitig darzustellen, sie wirken nur selten klischeehaft, sondern überraschen immer wieder durch ihre Wandlungsfähigkeit. Auch psychologisch trifft die Autorin genau den Nerv der Leser: sie spielt meisterhaft mit Gefühlen wie Gewissen, Hass und Liebe und sorgt dafür, dass man nicht nur das Leiden des im ungewissen gelassenen Ehemannes nachvollziehen kann, sondern ebenso die Gefühle, Zweifel und Ambitionen der Personen, die mit Täter und Opfer in enger Beziehung stehen. Ja, ich als Leser neigte sogar dazu, ein gewisses „Verständnis“ für die Motive des Täter aufzubauen, ohne dabei jedoch die Tat also solche oder gar jegliche Feigheit zu verharmlosen oder gar gutzuheißen.

„Im Tal des Fuchses“ kommt erfreulicherweise ohne sogenannte Blutorgien aus, wie sie sich z.Zt. in vielen Krimis und Thrillern finden. Charlotte Link zeigt, dass ein guter Krimi seine Leser auch ohne blutige Details zu faszinieren vermag. Raffinesse und Andeutungen reichen aus, um dafür zu sorgen, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt – ein wahrer Pageturner !

Doch trotz aller psychologischer Feinfühligkeit und Ausgefeiltheit behält der Leser am Ende einige lose Fäden in der Hand, die er nirgendwo anzuknüpfen weiß. Sie wurden von der Autorin kommentarlos beiseitegelegt bzw. abgeschnitten – hier hätte ich mir zumindest einen klitzekleinen Lösungsansatz gewünscht, um diese Fäden mit meiner eigenen Fantasie nach Belieben sinnvoll zu Ende führen zu können. Dennoch schmälert dies meinen Gesamteindruck kaum, zurück bleibt der Eindruck, einen äußerst spannenden und vielseitigen Krimi gelesen zu haben, der mich absolut gefesselt hat !
Ich vergebe gerne 4,5 von 5 Buch-Bubis.

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Mein Lieblingszitat:

„Ich tat etwas, was noch bis vor Kurzem ganz undenkbar gewesen war: Ich unterbrach seinen Sermon, indem ich mitten in sein Lamentieren hinein die Austaste drückte. Ich schnitt ihm einfach das Wort ab. Er interessierte mich nicht. Er war Lichtjahre weit weg.

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Meine Lieblingsfigur:

Zugegeben, das fand ich hier sehr schwierig – einen rechten Leibling habe ich hier nicht, da in diesem Krimi nahezu kein Charakter „einfach nur gut“ oder „einfach nur schlecht“ ist – was ja durchaus FÜR sie alle spricht, da sie dadurch glaubwürdig wirken.

Schließlich habe ich meine Sympathie doch am stärksten an Debbie vergeben, die (Ex-)Freundin von Ryan, die einiges mitmachen und erleben muss, sich aber dabei stets treu bleibt. Leider bleibt sie -ihrer Rolle entsprechend – etwas blass.  Sie ist m.E. am ehrlichsten, stärksten und am mutigsten von allen.

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Fazit:
Ein spannender, sehr gut konstruierter (Kriminal)-Roman, der nicht nur durch eine fesselnde Handlung überzeugt, sondern ebenso durch facettenreiche und wandlungsfähige Figuren, gepaart mit feinfühligen, psychologischen Einsichten.  LESEN !

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Extras:

1) Link zur Leseprobe hier

2) Link zur Verlagsseite, auf der es weitere Informationen rund um „Im Tal des Fuchses“ und die Autorin Charlotte Link gibt – hier klicken

3) Verlags-Buchtrailer You Tube (Dauer: 42 Sekunden ):

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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4 Antworten zu „Im Tal des Fuchses“ Charlotte Link – REZENSION

  1. MelMel schreibt:

    Leider habe ich erst ein Buch von Charlotte Link gelesen, aber das hat mich total begeistert und ich habe mir immer wieder vorgenommen, mehr von ihr zu lesen. Aber ich komme irgendwie nicht dazu. Aber nach deiner Rezi klingt es so, als wären auch ihre anderen Bücher von genau den Merkmalen geprägt, die mich so überzeugt haben: psychologisches Fingerspitzengefühl und sprachliche Rafinesse. Ich muss das unbedingt mal in Angriff nehmen 🙂

    Wenn du Ruge schon länger im Blick hattest, kann ich dir nur ans Herz legen, ihn wirklich zu lesen. Auch hier haben wir psychologisches Fingerspitzengefühl – wenn auch ganz anders als bei Link 😀

    Liebe Grüße
    MelMel

    • birtheslesezeit schreibt:

      Ich habe auch noch nicht sehr viele Bücher von Charlotte Link gelesen, aber merke, dass ich gerade zu einem Fan von ihr werde. Habe noch einige Bücher im SUB stehen, wo sie nun wohl nicht mehr allzulange auf’s gelesen werden warten müssen.
      Genau wie Du sast: psychol. Fingerspitzengefühl und sprachl. Raffinesse – das trifft es!
      Danke für Deinen Tipp zu Ruge :-). Liebe Grüße, Birthe

  2. Kasia schreibt:

    „Im Tal des Fuchses“ hatte sich vor kurzem auf den Wunschzettel geschummelt. Jetzt werde ich es mir definitiv holen 🙂
    Danke für deine tolle Rezi! Mir gefällt (neben deiner Meinung) auch der Aufbau.

    Liebste Grüße,
    Kasia

    • birtheslesezeit schreibt:

      Danke – schön, dass Dir die Rezi und Aufbau gefallen. Du wirst sicherlich nicht enttäuscht werden, wenn Du „Im Tal des Fuchses liest“. Viel Spaß dabei :-). Liebe Grüße, Birthe

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