Rezension: Jane Austen’s „Verstand und Gefühl“

Meine Ausgabe:

Titel: „Verstand und Gefühl“
Autor: Jane Austen
Verlag: Anaconda, ISBN: 978-3866472983,
Preis: Euro 7,95
Ausgabe: Hardcover, 438 Seiten, ohne Schutzumschlag, ohne Lesebändchen, aber mit einem wunderbar gestalteten Cover – ich mag diese Sonder-Ausgaben des Anaconda-Verlages ;-).

Hin und wieder lese ich gerne Klassiker und ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr wenigstens 20 Klassiker der Weltliteratur zu lesen. Mal sehen…

Dieses Buch ist so bekannt, ich hatte schon so viel darüber gehört, aber irgendwie konnte ich mich bisher noch nie dazu „aufraffen“, mir mein eigenes Urteil über diesen englischen Klassiker zu bilden. Anlässlich einer Leserunde bei Lovely books war nun der Zeitpunkt gekommen – ich bin beeindruckt von diesem Buch und hier ist also nun meine

Rezension:

Inhalt:

„Verstand und Gefühl“ war der Debütroman von Jane Austen, den sie unter dem Pseudonym „by a lady“ veröffentlichte.  Die Autorin erzählt eine ergreifende Familiengeschichte: die Schwestern Elinor und Marianne Dashwood stammen „aus gutem Hause“ und sind im heiratsfähigen Alter. Nach dem Tod ihres Vaters stehen sie und ihre Mutter jedoch nahezu mittellos da, da ihr egoistischer Bruder ihnen unter dem Einfluss seiner geizigen Frau nur eine geringe Unterstützung zukommen lässt. Er ist froh, als seine Schwestern zusammen mit der Mutter aus Sussex wegziehen und sich auf einem Cottage auf dem Lande einrichten.

In ihrem Wesen könnten die Schwestern kaum unterschiedlicher sein: während die vernünftige Elinor ruhig,  besonnen und mit offenen Augen durchs Leben geht,  besticht die eher gefühlsorientierte Marianne durch ein lebhaftes und übermütigen Charakter, dessen Zauber sich ihre Umwelt nur schwer entziehen kann.

Beiden gemeinsam ist ihre Gutmütigkeit, ihre Klugheit, ihre gute Erziehung, und nicht zuletzt ihr Stolz, der seine Wirkung auf andere nicht verfehlt. Allseits beliebt und gern gesehen, folgen sie der Einladung einer Bekannten, den Winter in London zu verbringen. Hier lernen sie das englische Stadtleben mit all seinen Facetten kennen, Oberflächlichkeit, Scheinheiligkeit und Langeweile – eine Umgebung, mit der sie ohne den Rat ihrer Mutter nunmehr einige Monate alleine zurechtkommen müssen – ein wichtiger Schritt…

Was ihnen bereits vorher klar war, wird hier umso deutlicher: Liebe scheint für Frauen unbedeutend und unwichtig zu sein, vielmehr dreht sich bei einer potentiellen Hochzeit alles um die finanziellen Mittel, Ansehen und eine möglichst hohe gesellschaftliche Stellung, die es zu erlangen gilt. Dazu scheint nahezu jedes Mittel recht, wie auch die beiden Schwestern bald erfahren müssen. Doch wie diese Kuppelei aus der Perspektive des Mannes aussieht, sein Einfluss und seine Rolle in diesem „Spiel“, das bleibt zunächst nicht nur für die Schwestern ein recht geschlossenes Buch, das sich erst nach und nach öffnet und stets einige Rätsel und Überraschungen bereithält.

Meine Meinung:

Ein wirklich ergreifender Roman, der einen vielschichtigen und nahezu schockierenden Einblick in die englische Gesellschaft bietet. Hat man sich erst einmal an den tragenden und feinfühligen Schreibstil gewöhnt, fühlt man sich vollkommen in Elinor’s und Mariannes Welt hineinversetzt, sitzt neben ihnen, nimmt an ihren gesellschaftlichen Treffen teil und es fällt nicht schwer, sich in ihre Gefühlswelt hineinzuversetzen. Gleichzeitig neigt man als Leser dazu, den Kopf über die Oberflächlichkeit und Scheinheiligkeit zu schütteln, die so offensichtlich ist und ich konnte nicht verhindern, dass ich Vergleiche mit dem „Heute“ zog – mit unserem gesellschaftlichen Verhalten heutzutage.

Ich war und bin fasziniert vom ausdrucksstarken Schreibstil der Autorin, die es versteht, den Leser zu fesseln, Emotionen zu vermitteln und den Leser am Leben der englischen Gesellschaft teilhaben zu lassen. Dieses Buch werde ich sicherlich in nicht allzu ferner Zeit erneut lesen, da ich glaube, dass sich hier bei jedem Lesen dieser Geschichte neue Facetten und Feinheiten entdecken lassen – ein immer wieder neues, lesenswertes Buch !

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Mein Lieblingszitat:

„Nicht Zeit und Gelegenheit sind entscheidend dafür, wie weit sich zwei Menschen nahekommen, sondern allein ihre Wesensart. Bei manchen reichen sieben Jahre nicht aus, daß sie sich kennenlernen, und bei anderen sind sieben Tage mehr als genug.“ S. 68 (12. Kapitel)

Mein Lieblingsfigur:

Neben Elinor und Marianne gehört zu meinen Lieblingsfiguren eindeutig Oberst Brandon ! Er ist ein Gentlemen und Ehrenmann durch und durch, weiß, was er will und gibt einfach nicht auf …!

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Fazit:

Ein Klassiker von Jane Austen, den man sicherlich des öfteren in die Hand nehmen wird, der durch seine ausdrucksstarken Beschreibungen von Gesellschaft und Emotionen überzeugt und um das man einfach nicht herumkommt, wenn man Klassiker der Weltgeschichte liest.

Bewertung:

Ich vergebe 4,5 von 5 Buch-Bubis, die ich somit auf 5 aufrunde:

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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5 Antworten zu Rezension: Jane Austen’s „Verstand und Gefühl“

  1. birtheslesezeit schreibt:

    Oje, da hatte ich mich auf den Text der Cover-Rückseite verlassen, wo es u.a. heißt: „Jane Austens berühmtes Sittengemälde „Verstand und Gefühl“ ist eines der meistgelesenen Werke der frühviktorianischen Literatur“.
    Ich nehme es mal aus meine Rezi raus – Danke auf jeden Fall für den Hinweis :-):-) und liebe Grüße !

    • katnissdean schreibt:

      Das stand da drauf? oO Aber wenn Viktoria noch gar nicht Königin war, kann das doch nicht ihre Epoche sein? xD Jetzt verwirren die mich. Muss ich mal in nem schlauen Buch nochmal nachschlagen. Ich hatte es bisher so gelesen, dass Austen im Regency lebte. Aber wie das bei Geschichte manchmal ist – verwirrend.

      Ps: Wenn Du auf antworten gehst statt auf einen neuen Kommentar bekomme ich automatisch eine Benachrichtigung über Deine Antwort =) Das macht es dann leichter.

      • birtheslesezeit schreibt:

        Stimmt, es gibt einenn Button „Antwort“ – danke für den Tipp ;-). Ich glaube, jetzt habe ich allerdings den falschen Kommentar angeklickt… Puh, hier gibt’s noch viel zu lernen… macht aber Spaß :-).

        • katnissdean schreibt:

          Macht nichts, ich hab eine Info bekommen ^^ Das ist halt einfacher zum verfolgen, wenn man oft Kommentare abgibt. Automatisch informiert werden geht da besser als immer alles doppelt nachzuschauen 😉 Aber Du findest Dich bestimmt bald bestens zurecht! =)

  2. katnissdean schreibt:

    Schöne Rezension 🙂 Und es war auch eine tolle Leserunde!

    Kleine Anmerkung: Jane Austen lebte in der Zeit des Regency und schrieb auch darüber. Als Königin Victoria an die Macht kam (1837) war sie schon 20 Jahre Tod. Ich glaube – da bin ich mir aber nicht sicher – man kann die Zeit des Regency auch als Vorviktorianische Epoche bezeichnen, aber es definitiv nicht ist Frühviktorianisch. (Klugscheißermodus aus :P)

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