REZENSION „Am Horizont die Freiheit“ – Jorge Molist

Buchtitel: Am Horizont die Freiheit, Autor: Jorge Molist,

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag (OHNE Lesebändchen), ISBN 978-3-561000384,

Preis: 19,99 Euro.

An diesem historischen Wälzer kommt man zur Zeit offensichtlich nicht vorbei. Er begegnet mir in allen Buchläden, auf Buchforen, usw. – und wird hochgelobt. Da ich ja noch einige Bücher-Gutscheine zur Verfügung hatte, löste ich diese ein – und begann mit dem Lesen…:

Meine Rezension:

Inhalt:
Spanien 1484: Bei einem Überfall auf sein Dorf verliert der 12-jährige Joan nahezu seine gesamte Familie: einzig sein jüngerer Bruder Gabriel bleibt ihm nun noch – seine Mutter und seine Schwestern werden als Sklaven abgeführt. Doch sein Vater hat ihm vor seinem Tod neben der Zusage, sich um die Familie zu kümmern, noch ein weiteres, wichtiges Versprechen abnehmen können: „Versprich mir, dass Du frei sein wirst“.  Fortan ist Joan’s Leben nicht nur vom Kampf ums Überleben geprägt, sondern gleichzeitig setzt er alles daran, seine als Sklaven verschleppte Mutter und Schwester zu finden. Außerdem beherrscht ihn das mächtige Gefühl des Hasses und der Rache… Als er mit Gabriel nach Barcelona geschickt wird, scheint er seinem Ziel etwas näher gekommen zu sein. Hier lernt er u.a. seine große Liebe kennen, aber ohne Geld oder adligem Titel sind seine Chancen äußerst gering… Doch Joan ist es gewöhnt, zu kämpfen, er lässt sich nicht unterkriegen und die Hoffnung lässt ihm ungeahnte Kräfte wachsen…

Meine Meinung:
Ein historischer Roman, der mit fast 700 Seiten recht umfangreich ist. Bildhaft werden nicht nur die Lebensumstände im Spanien des 15. Jahrhunderts geschildert, sondern auch der Kampf des zunächst 12-jährigen Joan, der so manchen Hindernissen trotzt und sein wahres Ziel niemals aus den Augen verliert. Dabei kommen im Laufe der Zeit einige neue Ziele hinzu: er lernt seine große Liebe kennen, er will seinen Meister in der Kunst der Buchdruckerei ablegen, um irgendwann selbst ein Geschäft zu eröffnen. Man spürt deutlich, dass Joan noch jung ist: anders als in vielen anderen historischen Romanen, in denen der achso junge Protagonist bereits die Reife eines erfahrenen Mannes aufweist, bleibt Joan seinem Alter treu – er verhält sich oft ungestüm, naiv, hat seine Gefühle nicht immer unter Kontrolle und lässt sich schnell von neuen Dingen begeistern und von anderen zu Taten hinreißen, um „zu gefallen“ und „dazuzugehören“. Andererseits überrascht er oft durch eine für ihn ungewohnte Reife… Dennoch fiel es mir schwer, eine rechte Sympathie für ihn aufzubauen, im Gegenteil, sie nahm immer mehr ab. Ich konnte ihn und seine Handlungen, sein unreifes Verhalten immer weniger verstehen und nachvollziehen. Andere Figuren hingegen gewannen meine volle Sympathie, von ihnen hätte ich zu gerne mehr erfahren. Natürlich gibt es auch Charaktere, die durch ihre Feindseligkeit und ihre Antipathie auffallen, insgesamt sind die Personen sehr vielschichtig und wandlungsfähig, sodass es stets interessant und kurzweilig bleibt.
Der Erzählstil des Autors ist mitreißend, er versteht es z.B. sehr gut, die Faszination der Buchdruckkunst, die Joan erfasst hat, an den Leser weiterzugeben und zu vermitteln. Man erhält informative und interessante Einblicke in die Kunst des Bucheinbandes und der Vervielfältigung im Mittelalter, und man kann Joan’s Liebe zu den Büchern nur zu gut nachempfinden, das Leder riechen…
Auch die Gefahren der Inquisition werden deutlich und man leidet mit den Sklaven, die von der Willkür ihrer „Herren“ abhängig sind. Doch neben all den historischen Fakten und Schilderungen, die der Autor zweifellos gründlich recherchiert hat, stehen stets Joan und seine Geschicke im Vordergrund, es bleibt ein unterhaltsamer Roman und keine Geschichtsstunde, was ich als sehr positiv empfand.
Das Ende der Geschichte schließlich bietet keine großen Überraschungen, passt jedoch zum Gesamteindruck und lässt der eigenen Phantasie noch genügend Raum.

Mein Lieblingszitat: 

„Du darfst den Löwen nicht beschuldigen, grausam zu sein, wenn er ein Schaf oder eine Gazelle tötet“ S. 452

Dieses Zitat und die darauf folgenden Ausführungen des Admirals zu diesem Ausspruch bringen nicht nur Joan zum Nachdenken…

Meine Lieblingsfigur:

Der Sklave Abdala, der aus gegebenem Anlass  freiwillig Sklave ist und für Joan zu einer wichtigen Person wird – er weiht ihn u.a. in die Kunst des Schreibens und der Kalligraphie ein.

Fazit: Ein historischer Roman mit einer unterhaltsamen Mischung aus historischen Fakten und einer packenden, fiktiven Geschichte im Spanien des 15. Jahrhunderts um einen Jungen, der sein Glück – und seine Familie sucht.

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Über BirthesLesezeit

Leseratte "Ü40" . Ich lese so ziemlich alles, was Buchstaben hat, wobei das Genre nebensächlich ist, Hauptsache, Geschichte und Schreibstil sprechen mich an.
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